Die Qual der Hausaufgaben

Von Christiane von Bargen, Februar 2014

Als ich die Kolumne von Henning Köhler über Hausaufgaben (2/2013) las, dachte ich mir: Oh Gott, ja so ist es. Wem wird es wohl genauso gehen wie mir? Oder bin ich die einzige Mutter, die diese Dramen kennt? Natürlich nicht immer und auch nicht bei jedem Kind, aber auch bei uns gab es schon Tränen.

Ist es denn wirklich sinnvoll, zumindest in der Unterstufe, diese regelmäßige Pflichterfüllung zu erzwingen, wenn die Bedürfnisse so anders sind? Wenn der Unterricht bis in den Nachmittag geht, kann denn dann nicht die Vertiefung des Erlernten entweder in der Schule stattfinden oder auch gar nicht? Eben nur wer will, so wie es Rudolf Steiner empfohlen hat?

Ich nehme an, dass wir wirklich glauben, regelmäßige Hausaufgaben seien sinnvoll und nötig, um etwas zu lernen. Aber ich wenn ich mehr als eine halbe Stunde brauche, um das Kind an den Tisch zu bringen, um zehn Zeilen zu schreiben und dies dann in einer entsprechend schlampigen Schrift mühsam in weiteren dreißig Minuten vollbracht wird, dann ist dieser Sinn nicht erfüllt. Der Nachmittag ist hin und alle sind bedient.

Wenn die Aufgaben Freude machen, wenn man etwas messen kann, wenn man etwas ausschneiden kann oder auch sammeln, dann ist alles anders.

Von anderen Eltern höre ich, dass ihre Kinder nur Minuten an den Hausaufgaben sitzen und alles »huschdiwusch« geht. Ob das wohl richtig ist? Ob die Hausaufgaben dann nicht umfangreicher sein müssten? Ich frage mich, wenn diese Kinder das alles so schnell hinbekommen, wofür sie dann überhaupt Hausaufgaben machen?

Ich habe in meiner Schulzeit Hausaufgaben in der Grundschule als Qual empfunden. In meiner eigenen Waldorfschulzeit habe ich mit Leidenschaft und Freude Hausaufgaben gemacht, weil ich durch den Lehrer oder die Lehrerin besonders motiviert war. In den letzten zwei Jahren, also wirklich erst, als ich schon groß und belastbar war, habe ich bis in die Nacht gelernt. Ist das nicht als Perspektive ausreichend?

Ich spreche hier als Unterstufenmutter, von den langen Schultagen unserer Kinder, von vielen anderen Anforderungen an die Kinder und wünsche mir – wenn überhaupt – Hausaufgaben, die Freude machen.

Zur Autorin: Christiane von Bargen hat die Freie Waldorfschule Köln/Bonn besucht. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Krankenschwester und Pflegedirektorin.

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