Weit mehr als acht Gesandte

Von Nur Simsek, September 2015

Leserbrief zu dem Beitrag »Der Islam – eine reale Gefahr?« von Frieda Ziegler in »Erziehungskunst«, April 2015.

Über diesen Artikel haben wir uns sehr gefreut. Denn endlich wurde der Islam mit Worten wie »Gerechtigkeit, Frieden, Gnade und Vergebung … kämpft für Menschenrechte und gegen Rassismus« beschrieben.

Auf einige Punkte möchte ich jedoch hinweisen, die nicht ganz korrekt dargestellt sind. Da wäre zum einen die Aussage der Autorin, dass Gott acht Gesandte zu den Menschen geschickt habe. Es waren jedoch viel mehr als acht und nur 25 davon sind namentlich im Koran erwähnt. Ein anderes Thema, das fehlerhaft beschrieben wurde, ist die Ehe im Islam. Es liest sich so, als wäre es dem Mann gestattet, Entscheidungen über den Kopf der Familie hinweg zutreffen. Das ist nicht richtig. Die islamische Praxis ist, dass sich die Ehepartner oder die komplette Familie zusammensetzen und Entscheidungen zusammen besprechen und treffen. Die Aufgabe des Mannes ist eine sehr wichtige: Er hat die Verantwortung für die Familie. Er muss sie versorgen und beschützen. Beide Partner sollen als Ziel das Wohlergehen ihrer Familie haben und die Liebe und den gegenseitigen Respekt aller Familienmitglieder leben und pflegen.

Desweiteren wurde beschrieben, dass Ehen mit andersgläubigen Menschen verboten sind. Das ist so generell auch nicht richtig. Selbst der Prophet heiratete eine Christin und eine Jüdin. Die Autorin schreibt, dass der Mord an der Schwester und deren Geliebten verboten sei. Das gilt für jeden Menschen. Muslime dürfen nicht töten, es sei denn, es ist eine Ausnahme wie die Notwehr. Das Verhüllen der Frau ist im Koran an zwei Stellen erwähnt und es ist auch nicht wegzudiskutieren. Allerdings steht allein die Frau in der Verantwortung, ob sie sich bedeckt oder nicht. Es ist nicht rechtens, eine nicht bedeckte Muslima als schlecht zu bezeichnen und eine bedeckte Muslima als fanatisch zu betiteln. Die Beurteilung unserer Herzen, unseres Charakters und unserer Taten obliegt einzig und allein Allah. Das Beispiel von der vergewaltigten Frau aus Namibia ist überhaupt nicht islamisch fundiert. Aus islamischer Sicht ist sie ein Opfer, das Hilfe bekommen muss, sie darf nicht für eine Schande, die eigentlich ihr zugefügt wurde, bestraft werden. Eine Bestrafung müsste der Täter erfahren.

Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ein junger Mensch sich bemüht, Wissen über eine Religion zu suchen, die in den Medien meist kein gutes Image hat. Ich spreche der Autorin meine Anerkennung aus, doch sollte sie die angesprochenen Themen genauer recherchieren.

Zur Autorin: Nur Simsek ist Mutter von fünf Kindern; ihre jüngste Tochter besucht die Waldorfschule in Mannheim.

Mehr zum Thema: http://anthroblog.anthroweb.info/?s=Islam&submit=Search

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