Peripherie

Osterferien mit Sang und Klang: Cantare kehrt zurück

Lina Goldbach

Seit 2010 treffen sich musikbegeisterte Waldorfschüler:innen einmal im Jahr, um ein Werk einzustudieren und es dann an verschiedenen Orten mehrere Male aufzuführen. Mit bis zu 120 Teilnehmenden wurden in den vergangenen Jahren Werke von der Klassik - mit Mozarts Requiem - bis zur Moderne - mit John Rutters Magnificat - aufgeführt. Mitorganisatorin Lina Goldbach kündigt das nächste Treffen an.

Sonnenstrahlen fallen durch helle Vorhänge in den Klassenraum. Man hört das Rascheln von Schlafsäcken und Gähnen. Musik dringt von draußen durch die Klassentür, um alle zu wecken. Es ist Donnerstagmorgen, doch es beginnt kein normaler Schultag. Zuerst gibt es Frühstück in der Mensa: Grießbrei, selbst gebackenes Brot, frisch zubereitete Aufstriche und dazu Tee und Hafermilchkaffe. Einige Minuten später - die Noten unterm Arm und einen Bleistift hinterm Ohr - machen sich alle mit Gesichtern voller Vorfreude auf zur ersten Probe.

Vorher aber ein paar Aufwärmübungen auf dem Schulhof. In den ersten Sonnenstrahlen des Tages streckt man sich und lockert die Muskeln und Stimmbänder. Dann teilt sich die Gruppe auf: Das Streichorchester und der Chor proben heute noch getrennt, bevor im Laufe der Woche die ersten Gesamtproben stattfinden.

Zuerst wird das Gloria in D-Dur von Antonio Vivaldi geprobt. Es ist ein vielseitiges Werk, das von lyrischen bis hin zu beschwingten Momenten die Kunst der Barockmusik zeigt. Es macht unglaublich viel Spaß, die unterschiedlichen Sätze zu singen und zu spielen. Dann gibt es Mittagessen. Das Küchenteam hat etwas ganz Besonderes gezaubert: eine vegane Gemüselasagne mit frischem Bio-Gemüse aus der Region. Auch Nachtisch gibt es: Obstsalat, wenn gewünscht, mit veganer Vanillesauce. Alle sind satt und glücklich nach diesem leckeren Essen. Im Anschluss an die Mittagspause wird weiter geprobt: Nun der "Song of the Universal" von Ola Gjeilo. Diese zeitgenössische Komposition lässt einen in schillernde Klangräume eintauchen und bezaubert alle, bis sie der Geruch von frisch gebackenem Apfelkuchen in eine Pause lockt. Danach wird weiter bis zum Abendbrot geübt. Nach dem Essen gibt es das Angebot, an einem Workshop teilzunehmen. Heute erklärt jemand die Grundregeln des Beatboxens. Jeder darf mitmachen und sich ausprobieren und es passieren viele witzige Momente, es wird viel gelacht und gestaunt. Noch lange nachdem der Workshop vorbei ist, hört man auf dem ganzen Gelände, wie zusammen musiziert wird. Einige probieren sich an den gerade gelernten Beatbox-Übungen, andere singen Lieder oder spielen auf Instrumenten. Alle genießen die gemeinsame Zeit und die geteilte Leidenschaft für die Musik.

Doch Cantare bedeutet noch mehr als Musik: Neue Menschen treffen, Freundschaften schließen, Gemeinschaft erleben, Erfahrungen sammeln. Seit zwölf Jahren findet das Chorprojekt in den Osterferien statt und bringt musikbegeisterte junge Menschen zusammen. Eingeladen sind alle zwischen 16 und 27 Jahren aus Deutschland und umliegenden Ländern. Tagungsort ist diesmal die Freie Waldorfschule Heidelberg, vom 6. bis 16. April 2023. Anmelden können sich alle, die gern singen oder ein Streichinstrument spielen. Im Chor ist keine Vorerfahrung nötig.

Auf dem Programm steht, neben den erwähnten Werken, auch "Hör mein Bitten" von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Damit widmen wir uns Werken ganz unterschiedlicher Epochen, in denen wir Einblicke in die Welt der barocken, romantischen und der modernen Komposition bekommen. Das Programm wird in zwei Konzerten in Heidelberg und Mannheim präsentiert. Abends können Workshops zu unterschiedlichen Themen aus der Musik besucht werden.

Wir Organisierenden sind ein ehrenamtliches Team aus jungen, musikbegeisterten Menschen, viele davon ehemalige Waldorfschüler:innen. Wir alle haben in den letzten Jahren bei Cantare mitgewirkt und selbst wunderbare, unvergessliche Erfahrungen gemacht. Das Gleiche möchten wir der nächsten Generation ermöglichen. Alles, was wir uns selbst wünschen würden, versuchen wir umzusetzen. Jeder aus dem Team kann das, was ihm wichtig ist, einbringen. Das ist zum Beispiel der Wunsch, mit unseren Dozierenden und Stimmbildenden auf Augenhöhe und trotzdem auf hohem Niveau zu arbeiten. Auch Nachhaltigkeit ist bei uns wichtig: Wir orientieren uns an einem eigens erarbeiteten Nachhaltigkeitskonzept und legen besonders bei den Lebensmitteln und den Fahrten Wert auf ökologische Aspekte. Was Nachhaltigkeit für uns bedeutet, zeigen wir auch: Jeder Mensch kann in der Gesellschaft etwas bewirken. Junge Menschen, die anderen jungen Menschen die Schönheit der Musik zeigen wollen, machen ein Projekt.

Wir freuen uns, in diesem Jahr wieder zehn Tage voll Klang, Kunst und Spaß zu erleben! Weitere Infos zum Cantare-Projekt und zur Anmeldung befinden sich auf www.cantare-projekt.de und auf unserem Instagram Kanal @cantare_chorprojekt.

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