Konfrontative Parzival-Monographie

Von Matthias Kirchhoff, Februar 2022

Heinz Mosmanns mit über 500 Seiten sehr umfangreiche Monographie zum Parzival richtet sich explizit an Waldorflehrer und basiert auf jahrzehntelanger Lehrerfahrung des Heilbronner Pädagogen.

Das merkt man dem kommentierten Durchlauf durch die Handlung des Epos – bei dem nicht selten nach- oder sogar auserzählt wird – auch jederzeit an. Die Kenntnis des Wolframschen Epos und vieler seiner Kontexte ist durchaus eindrucksvoll. Entsprechend lernen auch Leser, die mit dem Parzival vertraut sind, bei der Lektüre viel Neues über den mehr als achthundert Jahre alten Artus- und Gralsroman. Das gilt gerade für die oftmals weniger intensiv betrachteten Gawain-Episoden. Positiv sticht bei Mosmann neben kulturhistorischen Einordnungen vieler Motive und Handlungsstränge insbesondere die gute Kenntnis des Mittelhochdeutschen hervor, die es dem Verfasser ermöglicht, seine Überlegungen an den Text rückzubinden und sprachliche Feinheiten luzide herauszustellen. Auch die – leider etwas zu spärlichen – konkreten Unterrichtsanregungen rechnen unter die Stärken der Arbeit.

Gleichwohl stellen sich mir bei der Lektüre des Buches Fragen, etwa: Ist ein derart voluminöses Werk wirklich die richtige Handreichung für Lehrer, die sich dem ohnehin ehrfurchtgebietenden Parzival erstmals nähern, will sagen: Wäre diesbezüglich nicht weniger mehr gewesen? Und ist das von Mosmann öfters betriebene »Wissenschafts-Bashing«, zumal auf der Basis z.T. vieler Jahrzehnte alter Forschung, noch zeitgemäß? Nach meinem Dafürhalten verkennt Mosmann damit aktuelle, durchaus erfolgreiche Tendenzen des mediävistischen Waldorf-Diskurses, die weniger konfrontativ den Austausch mit der universitären Wissenschaft suchen und so alte Esoterik-Vorurteile gegen die Waldorfpädagogik aufbrechen (u.a. F. Steinwachs und M. Zech). Schließlich: Erleichtern die üppigen, nicht immer aus der Textarbeit hervorgehenden Verweise auf Rudolf Steiner, die satte acht Seiten im Literaturverzeichnis füllen, eigentlich noch das Verständnis des Parzival oder wird Wolfram hier schon »ideologisch eingemeindet«?

Wie dem auch sei: Mosmanns Monographie ist für mich eine überbordend kenntnisreiche, anregende und dabei kritisch mit spitzen Fingern zu lesende Lektüre – was sie ja mit ihrem monumentalen, komplexen und bis heute kontroversträchtigen Gegenstand durchaus beabsichtigen dürfte.

Heinz Mosmann: Der Parzival Wolframs von Eschenbach. Erkenntnis und imaginative Gestaltung des Gralsmysteriums, 544 S., EUR 39,-, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2020.

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