Sizilianische Eurythmie. Grande Spettacolo der Waldorfschule Palermo

Von Stephan Heinzmann, Juli 2010

Ende April gab es in Palermo zum ersten Mal die Gelegenheit, intensiv die Eurythmie kennenzulernen. Christiane Mochner, Eurythmistin an der dortigen Waldorfschule, veranstaltete in einem öffentlichen Theater eine Eurythmie-Woche.

Sizilianische Eurythmie

Friedrich Hiebels Märchen »Die blinden Brüder«, von der sechsten Klasse aufgeführt, stellte einen der künstlerischen Höhepunkte der Woche dar. Die Schüler ließen die Zuschauer im Verlauf des dramatischen Geschehens  Kalk und Granit, Metalle und Edelsteine, die sie in der Mineralogie-Epoche kennengelernt hatten, künstlerisch in ganz verschiedenen Bedeutungszusammenhängen erleben. Ihre Leistungen zeugten von großer Reife.

Der Höhepunkt war das »Grande Spettacolo Finale« vor vollem Haus. Den Anfang machte die siebte Klasse mit einem Rondo von Beethoven in einer choreographisch komplexen, schwungvollen Stabübung. Die dritte Klasse eurythmisierte im Kreis ein Gedicht für Kinder von Rudolf Steiner und die vierte Klasse zeigte ein Andante von Mozart. Es folgte eine Mazurka Chopins, dargestellt von der fünften Klasse. Die achte Klasse hatte sich eine Ballade von Herder schon in freien Formen eurythmisierend erarbeitet. In Tschaikowskys Cello-Solo »Nocturne« zeigte Christiane Mochner mit durchdringender Intensität und präzisen Gebärden, wie Musik aus den Bewegungsformen ersteht. Vorzeitige Beifallsstürme der Schüler, die einmal ihre aus dem Vollen schöpfende Lehrerin allein auf der Bühne bewundern konnten, waren unvermeidlich. Den Abschluss bildete  Franz Schuberts »Impromptu«, das die miterlebende Seele regelrecht zum Singen brachte. Der begeisternde Erfolg weckte den Wunsch nach einer Neuauflage. Außerdem bildete sich in der intensiven Vorbereitungszeit eine neue Eurythmiegruppe aus ehemaligen Schülern, die jetzt staatliche Oberschulen besuchen. Denn Palermo verfügt zur Zeit nur über Räume für acht Klassen. Auch das Theater musste gemietet werden. Die Eurythmie-Woche war eine wunderschöne Erfahrung für alle Beteiligten und für das Kulturleben unserer Stadt.

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