Ausgabe 04/24

Wochenendrebellen von Marc Rothemund – ab 11 Jahren

Kolumne Knilli
Bild: Leonine Studios, Nik Konietzny

Die vielen Sinneseindrücke addieren sich für ihn. Er nimmt, was andere sagen, oft wörtlich. Mit zwanghaften Regeln ordnet er seine stressigen Tage. Das stachelt seine Klassenkamerad:innen zu Provokationen an. Cecilio Andresen spielt den autistischen Jason so überzeugend, dass man ihn sofort ins Herz schließt. Als die Reizüberflutung wieder einmal unerträglich wird, rastet der Junge aus. Die Direktorin bestellt die Eltern ein und legt Jason den Wechsel auf eine Förderschule nahe.

Für Jason kommt das nicht infrage. Er will später studieren! Die Eltern, von ihm liebevoll Papsi und Mamsi genannt, großartig gespielt von Florian David Fitz und Aylin Tezel, sind erstmal ratlos. Als Jason just erklärt, er müsse jetzt einen Lieblingsfußballverein finden, «Erste, zweite und dritte Liga, das sind 56 Vereine, die schauen wir uns alle im Stadion an und dann entscheide ich», horcht Papsi auf und schlägt seinem Sohn einen Pakt vor. An den Wochenenden geht’s ins Stadion, dafür arbeitet Jason unter der Woche in der Schule daran, sich nicht mehr provozieren zu lassen. Jason willigt ein.

Eine mitreißende Vater-Sohn-Fußballreise kreuz und quer durch die Republik beginnt. Unterwegs und vor Ort in den Stadien stellt sich Jason Reizüberflutung pur. Umschaltspiel heißt das Codewort, das Vater und Sohn vereinbart haben, wenn es Jason zu viel wird. Mutig und behutsam zugleich gehen Jason und Papsi während dieser Abhärtungstour an ihre Grenzen. Beide wachsen daran.

Jason hat eigenwillige Kriterien für seinen Lieblingsverein: Er checkt erstmal, ob Nazis im Stadion sitzen, ob die Anlage behindertengerecht ist und nachhaltig betrieben wird, ob die Spieler einheitlich farbige Schuhe tragen oder welche Aussage in der Mannschaftshymne steckt.

«Der Film soll Menschen glücklich machen. Positive Geschichten werden wir alle künftig bitter nötig haben. Wenn er darüber hinaus auch noch hilft, Autismus-Klischees zu brechen, die Wissenschaft populärer zu machen und zu zeigen, wie Demokratie und Klimaneutralität in der Familie verwirklicht werden können, umso besser.» Dieses ambitionierte Statement stammt von Jason von Juterczenka, von dessen herausfordernder Kindheit als Mensch mit Autismus der Spielfilm Wochenendrebellen handelt. Drehbuchautor Richard Kropf schrieb die kluge, warmherzige Komödie, inspiriert von dem autobiographischen Buch Wir Wochenendrebellen von Jason und dessen Vater Mirco. Dass sich der «echte» Jason hinter den Spielfilm stellt, adelt das Werk des Regisseurs Marc Rothemund!

Ein Film für die ganze Familie, empfohlen ab 11 Jahren, auf DVD und bei store.sky.de als VoD erhältlich.

Bitte beachten Sie die Kurze Anleitung für einen gelungenen Filmnachmittag.

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen

0 / 2000

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Dieser wird nach Prüfung durch die Administrator:innen freigeschaltet.