»Amerika ist an allem schuld«

Februar 2016

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und verstärkt mit Beginn des Ukraine-Krieges wird in der Öffentlichkeit heftig über sogenannte Verschwörungstheorien gestritten – auch an vielen Waldorfschulen und in der »Erziehungskunst«. Markus Schulze und Hans Hutzel unterhielten sich mit dem Kommunikationswissenschaftler und ehemaligen Waldorfschüler Tobias Jaecker.

Tobias Jaecker

Markus Schulze | Viele der Autoren, die Sie als Verschwörungstheoretiker bezeichnen, fühlen sich diskreditiert. Der Begriff diene nur dazu, sie mundtot zu machen. Ist es nicht tatsächlich problematisch, unbequeme Stimmen derart abzukanzeln?

Tobias Jaecker | Aufklärung und Kritik an politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen sind zweifelsohne wichtig. Verschwörungstheorien sind aber das glatte Gegenteil davon. Deren Anhänger gehen nicht offen an Ereignisse wie den 11. September oder den Ukraine-Krieg heran. Im Gegenteil: Die vermeintlichen Drahtzieher stehen für sie von Beginn an fest. Und das sind immer die Amerikaner. Denn die profitierten von der Entwicklung, könnten sich neue Rohstoffmärkte einverleiben und Machtbereiche erschließen. Zu dieser These werden dann eine Vielzahl vermeintlicher Beweise gesammelt. Was nicht ins Weltbild passt, wird ignoriert oder als »Propaganda« abgetan. Das hat mit Kritik nichts mehr zu tun, sondern ähnelt eher einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

Hans Hutzel | Verschwörungstheorien werden vor allem über den 11. September verbreitet und stehen damit automatisch im Zusammenhang mit dem Antiamerikanismus. Wie erklären Sie sich diesen Zusammenhang?

TJ | Verschwörungstheorien bauen immer auf gesellschaftlich verbreiteten Ressentiments auf. Über Jahrhunderte standen dabei »die Juden« im Fokus, seit langem auch die USA. Der Antiamerikanismus wird zwar dadurch befeuert, dass die USA eine Weltmacht sind und ihre Interessen mitunter rücksichtslos durchsetzen. Das kann man selbstverständlich kritisieren. Problematisch ist der Automatismus, mit dem auf Amerika gezeigt wird. Man wähnt sich als kritischer Geist und glaubt, es geblickt zu haben: Amerika ist schuld – und wir sind nur die Opfer. Das ist bequem und dient der Selbstentlastung. Von der Weltfinanzkrise bis zum Ukraine-Krieg: Das sind alles keine amerikanischen Erfindungen, da sind Deutschland und die EU genauso drin verstrickt. Damit umzugehen, fällt Vielen offenbar schwer.

MS | Sie haben über Antiamerikanismus promoviert und in diesem Zusammenhang die deutschen Medien untersucht. Was sind Ihre wesentlichen Erkenntnisse?

TJ | Es ist ein Ressentiment, das bis weit in den medialen Mainstream hinein verbreitet ist. Beim Thema Amerika glauben selbst Menschen, die sich als fortschrittlich bezeichnen, mit gutem Gewissen vom Leder ziehen zu können. In meiner Analyse habe ich die typischen Merkmale des antiamerikanischen Argumentationsmusters herausgearbeitet. Zum einen werden alle möglichen negativen oder unliebsamen Entwicklungen auf Amerika projiziert, ob Finanzkapitalismus, politische Krisen oder kulturelle Phänomene. Damit einher geht eine moralische Selbstaufwertung, so dass ein dualistisches Bild entsteht: Dort die gefährlichen, profitgierigen, oberflächlichen und dekadenten Amerikaner – hier die uneigennützigen, friedliebenden und kultivierten Europäer.

In zugespitzter Form kommt dann noch ein ausgeprägtes Verschwörungsdenken hinzu. In dieser Sicht regiert Amerika die ganze Welt. In Deutschland wirkt zudem die Geschichte nach. Die Massenauswanderung nach Amerika im 19. Jahrhundert, die Niederlage in zwei Weltkriegen, die Jahre unter der alliierten »Schutzmacht« – da ist bei Vielen ein ambivalentes Gefühl entstanden. Sie fühlen sich gedemütigt, machen die USA für alle Übel verantwortlich und neiden ihnen zugleich ihre Stärke.

HH | Gibt es in Deutschland diesbezüglich eine Entwicklung seit dem 11. September?

TJ | Der Antiamerikanismus hat sich seitdem in der ganzen Gesellschaft verfestigt. Selbst krudeste Verschwörungstheorien werden immer populärer. Spätestens seit den sogenannten Montags-Mahnwachen gegen den Ukraine-Krieg erlebt die Szene einen Boom. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums werden AfD, Pegida und Co. immer stärker. Zwischen beiden Seiten hat sich eine regelrechte Querfront gebildet, deren verbindender Kitt antiamerikanische Verschwörungstheorien sind. Ob es um den Absturz des malaysischen Flugzeugs über der Ukraine, die Anschläge auf Charlie Hebdo oder die Pariser Terrorwelle im vergangenen November geht: Hinter all diesen Ereignissen vermuten die selbsternannten Skeptiker die USA. Selbst die vielen Flüchtlinge, die jetzt zu uns kommen, führen sie auf einen angeblichen Plan der Amerikaner zur Destabilisierung Europas zurück.

MS | Es gibt doch aber auch politische Entwicklungen, die berechtigte Kritik an der US-Politik hervorrufen. Zum Beispiel Abu Ghraib, Guantanomo oder die NSA-Überwachung …

TJ | Um es ganz klar zu sagen: Eine Kritik an diesen Vorgängen hat mit Antiamerikanismus nichts zu tun. Problematisch wird es erst, wenn das Handeln der eigenen Regierung ausgeblendet wird. Beispiel NSA: Inzwischen wissen wir, dass der BND mit seinen vergleichsweise bescheidenen Mitteln ebenfalls massenhaft nach Daten fischt und mit der NSA austauscht. Das läuft bis heute so weiter, weil die deutschen Sicherheitsbehörden es so wünschen. Wo bleibt hier der gesellschaftliche Aufschrei? Wo bleiben die Großdemonstrationen? Eins ist doch klar: Wir können nur etwas an den Verhältnissen ändern, wenn wir es hier vor unserer Haustür tun. Wir müssen demokratisch dafür kämpfen. Aber das ist Vielen zu mühsam. Sie zeigen lieber mit dem Finger auf andere und richten sich behaglich in ihrer ressentimentgeladenen Weltsicht ein.

HH | Welche Rolle spielen dabei das Internet und die sozialen Medien?

TJ | Immer mehr Menschen informieren sich fast nur noch per Facebook oder Youtube über die Weltlage. Ich möchte diese Medien überhaupt nicht verdammen, im Gegenteil: Es ist gut, dass wir heute vielen Dingen mit ein paar Mausklicks selbst auf den Grund gehen können und nicht nur die redaktionell ausgewählten Meldungen der Zeitungen zu Gesicht bekommen. Problematisch erscheint mir aber, dass Viele ihre Filter-Bubble überhaupt nicht mehr verlassen. Sprich: Sie treiben sich nur noch auf bestimmten verschwörungstheoretischen Seiten oder Youtube-Kanälen herum und lesen nur noch Texte, die ihnen ihre Netz-Kontakte empfehlen. Alternative Sichtweisen nehmen sie gar nicht mehr wahr. Da ist eine regelrechte Parallelwelt entstanden, in der man sich in seiner Meinung nur noch gegenseitig bestärkt und hochschaukelt. Alles andere wird als »Mainstream« oder »Lügenpresse« abgetan.

MS | Aber es ist doch durchaus sinnvoll, den Mainstream zumindest zu hinterfragen. Was ist notwendig, um zu einem selbstständigen Urteil zu kommen?

TJ | Wichtig erscheint mir, wirklich neugierig und offen zu sein – und den antiamerikanischen Marktschreiern nicht auf den Leim zu gehen. Denn die haben ihre Antworten längst. Unsere Massenmedien möchte ich keinesfalls in den Himmel loben. Ich habe ja selbst erforscht, wie viele Ressentiments sie transportieren. Aber es gibt auch viele Journalisten, die hervorragende Arbeit leisten. Die deutschen Medien sind vielfältiger, als die Verschwörungstheoretiker behaupten. Die Kritik an Amerika, die sie immer wieder so lautstark einfordern, die ist dort doch zuhauf zu finden.

HH | Sie waren selber Waldorfschüler. Wie beurteilen Sie im Nachhinein die Rolle der Schule für die politische Urteils­bildung?

TJ | Jugendliche müssen besser lernen, mit den neuen Medien kritisch umzugehen und nicht alles gleich zu glauben, was in einem Youtube-Video als vermeintliche Wahrheit offenbart wird. Fakten sind nicht gleich Fakten, sondern müssen mit anderen Aussagen abgewogen, eingeordnet und bewertet werden. Allzu einfache Antworten sollten erst einmal stutzig machen. Und: Demokratisches Engagement kann etwas bewirken, auch wenn es mühsam ist. Das muss besser vermittelt werden.

MS | Das sind alles Punkte, die nicht nur die Waldorfschulen betreffen …

TJ | Die sehe ich vor besonderen Herausforderungen. Denn oftmals überlappen sich verschwörungstheoretische und gewisse esoterische Sichtweisen. Da die Esoterik auch in der Anthroposophie eine wichtige Rolle spielt, ist hier Wachsamkeit geboten. Der Glaube an verborgene Mächte, die unsere Geschicke bestimmen, kann sich in einer diffusen Ablehnung konventioneller Wissenschaft und politischen Verschwörungstheorien niederschlagen. Dem müssen die Waldorfschulen offensiver entgegentreten. Zugleich sollte Kritik nicht gleich abgebügelt werden – ob es nun um rassistische und antisemitische Äußerungen geht oder um die Verbreitung von Verschwörungstheorien jedweder Couleur. Eine Haltung, als ob man im alleinigen Besitz der Wahrheit sei und die unwissende Welt da draußen das nur noch nicht verstanden habe, ist für die Entfaltung einer freien Debatte und damit für die politische Urteilsbildung nicht gerade förderlich.

Tobias Jaecker ist Kommunikationswissenschaftler, Journalist und Autor. Er arbeitet als Redakteur bei radioeins in Berlin. In zwei Büchern untersuchte er antisemitische Verschwörungstheorien sowie den Antiamerikanismus in den deutschen Medien seit dem 11. September 2001. Jaecker besuchte die Waldorfschule Köln. Markus Schulze ist Oberstufenlehrer an der Freien Waldorfschule Köln und Hans Hutzel Lehrer an der Emil Molt Akademie Berlin.

Literatur: T. Jaecker: Hass, Neid, Wahn. Antiamerikanismus in den deutschen Medien, Frankfurt 2014; Ders.: Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September. Neue Varianten eines alten Deutungsmusters, Münster 2004; Siehe auch: Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung, Erziehungskunst 10/2015 und die daran anschließende Kontroverse in Heft 12/2015.

Leserbriefe zu diesem Beitrag finden Sie auch hier

Kommentare

Marie , 01.02.16 13:02

Als US-Bürgerin finde ich diesen Artikel mehr als überfällig, wir haben den Deutschen soviel Kultur, Freiheit und Wohlstand gebracht und was ist der Dank? Da wird nach gute alte deutsche Art alles critisiert und schwarz gemalt. Leider gibt es in USA die allergrößte anti-Bewegung, viele sprechen sogar schon von einem "totalitarian state" und vermuten überall conspiracies: Kennedys, 9/11,MK-Ultra, etc.
Was viele vergessen: wir (USA) sind God´s own Country! und ausersehen, liberty and freedom in die Welt zu bringen, wer das nicht kapiert, der krepiert!
Eine persönliche Frage an T.J.: Darf ich dich adoptieren, sweety?

Florian Hirdes, Hamburg, 02.02.16 18:02

Sehr geehrter Hr. Maurer, Hr. Schulze und Hr. Hutzle,

ein großes Lob auf das Interview mit Hr. Jaecker!

Schön das die Erziehungskunst diese aufgeklärten und erfrischenden Gedanken publiziert. Genau diese von Hr. Jaecker erwähnten Kritikpunkte an einer eingeschränkten Sichtweise in Bezug auf Verschwörungstheorien sprechen mir aus der Seele, auch in Bezug auf das Interview mit Hr. Ganser im Oktober 2015, den ich aus ähnlichen Gründen kritisiert hatte (bei Interesse s. hierzu mein Kommentar beim entsprechenden Artikel auf dieser Seite).
Die möglichen auch nicht immer ganz bewussten Beweggründe für den Wunsch nach einfachen Erklärungsmustern liefert Hr. Jaecker gleich mit:
Unliebsame und erschreckende Entwicklungen werden auf negative Mächte (z.B. USA o. NSA) projiziert, wobei wir uns selbst weiter zwar als Opfer, dabei aber als moralisch integrer und selbstverständlich verständiger und aufgeklärter fühlen dürfen.
Sehr schöne Analyse, da ist meiner Meinung nach viel Wahrheit dran!
Auch der Rat von Hr. Jaecker immer wach zu bleiben und sich nicht zu stark in in-sich-geschlossenen mal esoterischen mal anderen Informationsbezügen zu bewegen (nur noch YouTube, Facebook, eigener Verein, Gesinnungsgruppe, ... etc.), um Verschwörungstheorien nicht zu verfallen, gefällt mir.

Nur bei der Frage, was ihm bei seinem Werdegang die Waldorfschul-Ausbildung genutzt hat, ist Hr. Jaecker eine Antwort schuldig geblieben. Schade!

An die Erziehungskunst: weiter so!

Viele Grüße aus Hamburg!

Andreas Geiss, 03.02.16 00:02

https://youtu.be/bX23SOSNnEQ
Vielen Dank für dieses Interview und noch eine arabische Frauenstimme zu diesem Thema.

Wilfried Michalski, 03.02.16 11:02

Die Grundfrage lautet doch eigentlich:Gibt es Verschwörungen? Gibt es Verschwörungen, d.h. 'Einverständnisse innerhalb kleiner und kleinster Zirkel', eine Entwicklung in einer bestimmten Weise zu beeinflussen. bzw. zu lenken? Insbesondere im 'Politischen'. Die Frage ist nach meiner Sicht der Dinge eindeutig zu bejahen....und bringt mit den Hinterfragungen, die bei 9/11 insbesondere in TECHNISCHER Hinsicht immer mehr auf den Plan treten, Ausgebelendetes und Unbeantwortetes nach dem wahrhaftigen Geschehen mit sich.
Wie geht man solchen Fragen nach? Mit "Theorien" über andere 'Hergangs-Variablen'. Das sind dann notwendigerweise "Verschwörungstheorien"!
Dass weit über jede Sachlichkeit hinaus nahezu jede Dumpfheit und jeder Stuss mit "Verschwörungstheorie" bezeichnet wird, verhilft zur Erkenntnis der eigentlichen Hintergründe von Weltgeschehen nicht weiter.....und wenn, wie bei 9/11 (als herausragendes Beispiel unserer Zeit genannt) die Ereignisse bis in KRIEGE mit millionenfachen Toten, Verletzten und Vertriebenen führt, dann ist das Bilden von ...fachlich belastbaren... "Verschwörungstheorien" so etwas wie 'intellektuelle Bürgerpflicht'.
Es ist also längst nicht so, wie im Interview behauptet, "Verschwörungstheorien bauen immer auf gesellschaftlich verbreiteten Ressentiments auf". Wenn´etwas, das es unbestritten 'auch' gibt, in ein “ immer“ gehebelt werden, dann ist 'jede' Tür in eine sachliche Auseinandersetzung vernagelt.
Und eine sachliche Auseinandersetzung sollte heute in einem Umfeld in dem Rudolf Steiner keine Unbekanntheit ist, vor dem heutigen Hintergrund und den heutigen Ereignissträngen in 'Zeitgeschichtlichen Betrachtungen', unbedingt VORURTEILSFREI erfolgen können.

Dirk Pohlmann, Kleinmachnow, 15.02.16 16:02

Tobias Jaecker macht mit seinen Thesen einen Doktortitel und rasant Karriere. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Dr. Daniele Ganser und Dr. Ola Tunander haben nach fulminanten akademischen Karrieren mit den falschen Studien zur USA jeweils auf Intervention von US Botschaftern ihre Professorentitel und Arbeitsplätze verloren.

Tobias Jaecker arbeitet bei Radio Eins, taz, Tagesspiegel, Netzeitung, der Jüdischen Allgemeinen und wird von der Tagesschau, Zeit und Deutschlandfunk interviewt.

Mathias Bröckers, Frieder Wagner und ich sind für investigative Dokumentarfilme ausgezeichnet worden - und wurden dann wegen dieser Filme bei den Sendern aussortiert.

Keine Aufträge mehr, dafür aber eine Flutwelle von Denunziationen. Wer redet noch mit einem, wenn man in diese Lage gekommen ist? Nur die alternativen Medien. Die "seriösen" etablierten Kollegen halten sofort Abstand. Es gibt ja diese Kontaktschuld. "Ratzfatz ist man Verschwörungstheoretiker und Anti-Amerikaner. Ist Dir ja auch passiert!

Das kann ich brauchen wie ein Loch im Knie!" Die Kollegen haben Frau, Kinder und Häuser, bitten um Verständnis und antworten einfach nicht mehr.

Es erinnert schon an die McCarthy-Ära, was einem da geschieht. Dass ich Ken Jebsen ein Interview gegeben habe, stand innerhalb von Stunden in einem Wikipediaeintrag, ein Großteil meines 30 jährigen Journalistenlebens bestand plötzlich aus KenFM. Das geht allen so, die sich mit den USA beschäftigen oder sich erdreisten, zu glauben, dass mehr zählt was man sagt, als bei wem. (Ich empfehle dazu die Doku zweier Waldorflehrer: "Die dunkle Seite der Wikipedia" bei KenFM. In den öffentlich-rechtlichen Medien kommt das Thema der hierarchischen Wikipedia Zensur nicht vor.)

Der Kollegen-Umkreis in den Unis und Medien registriert sehr genau, wer warum in Ungnade fällt und arbeitslos wird. Der Anteil der Kollegen, die bereit sind, sich mit solchen Themen die Existenz zu zerstören, geht gegen null. Die meisten sind "Freie" und müssen Themen anbieten, die gefallen. Die wenigsten sind so bescheuert/ehrlich, es mit wirklich heiklen Themen zu versuchen. Man sieht ja, wohin das führt. Man kann sagen, was man denkt. Man kann auch Giftpilze essen. Beides einmal, und es hat Konsequenzen.

So was passiert nur, wenn man kritisch über die USA berichtet. Wer über Russland oder China herzieht und vor Anti-Amerikanismus warnt, bekommt Kritik im Internet, hat beruflich aber nichts zu befürchten - außer einer Beförderung und einem Karriereschub am Arbeitsplatz.

Ja, der "Freie Westen" hat Grenzen der Pressefreiheit. Wo die liegen, merkt man erst, wenn man sie übertreten hat. Wenn die Scheinwerfer angehen und man im Elektrozaun zappelt. Fesseln spürt nur, wer sich bewegt.

Fühlen Sie von der Erziehungskunst sich so richtig wohl mit dem, was Sie da machen? Haben Sie keine Angst auf der Schleimspur Ihres eigenen, vorauseilenden Gehorsams auszurutschen? Vor Ken Jebsen Auftritten warnen und vor dem Anti-Amerikanismus - angesichts der historischen Realität von Angriffskriegen, Regime Changes, Totalüberwachung, Folter und "Humanitären Interventionen"? Nach dem Motto: "Wenn ihnen die bisherigen Waldorfschüler nicht gefallen haben, wir haben auch andere?"

Das ganze riecht nach Anpassung, nicht nach Wahrheitssuche. Anpassung aus Angst, weil die Macht der Öffentlichkeits-Eliten, die definieren, wo das Zwielicht anfängt, so groß ist. Ganser bekam ja einen Shitstorm ab, als er an der Uni Witten Herdecke aufgetreten ist. Das macht sich nicht gut bei der Öffentlichkeitsarbeit, nicht wahr?

Und das alles, obwohl Steiner von genau diesen Leuten auch ins Zwielicht gezogen wurde und wird. Als Rassist. Als Antisemit. Als anti-amerikanischer Wilson-Hasser. Als Verschwörungstheoretiker, der von angelsächsischen Eliten schwadroniert hat, die die Fäden ziehen. Wie sehen Sie das?

So etwa? "Ja, es gibt richtig üble Steiner-Zitate, ja die Angriffe sind trotzdem ungerecht, weil sie natürlich völlig am Kern der Sache vorbeigehen - aber man muss sich eben mit den Mächtigen arrangieren, ein bisschen das Fähnchen in den Wind hängen. So ist PR nun mal."

Ist es das? Liebe Waldorfs, liebe Anthros, die Anpassung an eine unbarmherzige, machiavellistische Macht hat schon mal in die Irre geführt. Sie führt immer in die Irre.

Eigentlich huldigt ihr doch einer Weltanschauung, die postuliert, dass die Wahrheit zentral ist, dass die Freiheit zentral ist, dass die Gedanken eine eigene Realität sind, dass es nicht um taktisches Gerede geht, dass es überhaupt nicht egal ist, was man denkt und sagt?

Leser , 16.02.16 22:02

Schade, dieser Artikel ist völlig substanzlos. Man hat den Verdacht, dass sich der Autor nie mit den angesprochenen Themen beschäftigt hat.

Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, sich mit diesen Fragen wirklich tiefgründiger und vorurteilsfrei auseinanderzusetzen und vor allem nach Quellen zu suchen! Z.B. originale Videoaufnahmen und geheime Dokumente, auch wenn das z.T. sehr schwierig ist. Aber nur so wird man wirklich weiter kommen.

Alles Andere ist vielleicht Wunschdenken, aber nicht wirklich ernst zu nehmen!
Ich bin wirklich sehr enttäuscht von diesem Artikel und irgendwie kommt der Verdacht auf, dass man einer wirklichen Diskussion auf der Suche nach Wahrheit aus dem Wege gehen möchte.

Bezeichnend finde ich den ersten Leserkommentar von "Marie".

Michael , 02.03.18 14:03

Ich muss sagen, dieser Artikel lässt mich doch sehr an der Unabhängigkeit der Erziehungskunst zweifeln! Ist hier wirklich noch ein freier und kritischer Geist, oder macht man es sich in einem System gemütlich, welches Meinungsfreiheit immer mehr einschränkt?
Herrn Pohlmann muss ich da sehr zustimmen.
Wo bleibt das kritische denken, der Geist, in dem Rudolf Steiner einst die Waldorfschulen mitbegründete?
Ich hoffe zu riefst, dass die Erziehungskunst auf kritischer Distanz zum Meinungskonformismis dieser Tage bleibt, und kein Sprachrohr für Bundestegierung und Mainstreammedien wird.
Mit freundlichen Grüßen!

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