Frühe Kindheit • Frühling 2019


Himmlische und lästige Krankheiten

»Mama, es gibt doch himmlische Krankheiten. Und solche, die man auf der Erde bekommt?« – »Himmlische Krankheiten?« – »Ja, die man mitbringt, wenn man geboren wird.« – Ach so – eine sogenannte angeborene Krankheit ist gemeint. Aber unser Begriff »angeboren« ist doch eine recht armselige Bezeichnung dafür. In der himmlischen Krankheit klingt viel mehr mit: Eine ganze Welt liegt hier verborgen, aus einer Zeit davor; etwas, das richtig ist und seinen Sinn hat, etwas, das von den Engeln und dem Himmel begleitet wird. All das liegt in dem Ausdruck des Kindes darinnen, das ein Gewordenes, unverrückbares So-ist-Es zu begreifen versucht.

Was ist aber mit den anderen Krankheiten, die man auf der Erde bekommt? Kinderkrankheiten, Husten, Schnupfen, Magen-Darminfekte? Sie sind uns lästig. »Komm mir bloß nicht zu nahe, ich will nicht krank werden.« – »Krank sein ist echt langweilig«, so kommt es unwillig und genervt von den Großen am Tisch, wenn die Kleinen husten und schniefen und ihre Viren und Bakterien großzügig verteilen. Nein, nur nicht jetzt krank werden, denke auch ich. Natürlich kommt es anders und keiner hält sich an die Beschwörung, dass für Krankheit keine Zeit und kein Raum sei. Und als dann der leidige Zwischenzustand vorbei ist, die Kinder wirklich krank sind, tritt Ruhe ein. Es ist geschafft – Pause für alle. 

Bei Babys und kleineren Kindern ist das seelisch-geistige Empfinden noch ganz an den Körper gebunden. Wohlbefinden, Freude, aber auch Unwohlsein und Angst zeigen sich unmittelbar im Ausdruck, den Bewegungen, aber auch an der Verdauung und Durchblutung. Wie auch umgekehrt das körperliche Geschehen direkt im Seelischen sich äußert. Diese enge Verbindung löst sich beim Älterwerden immer mehr. Das Kind wird nicht nur auf der leiblichen Ebene selbstständiger, sondern auch auf der seelisch-geistigen, indem es sprechen lernt und sich gegenüber der Außenwelt immer mehr abgrenzt. Der Tisch, an dem es sich den Kopf stößt, bleibt dann Tisch und ist nicht Teil des Leibes, den es zu trösten gilt. Diese Abgrenzung ist ein vielseitiger Lernprozess, an dem auch das Immunsystem beteiligt ist. Wird ein Kind krank, wird das Immunsystem aktiv. Überwindet das Kind aus eigener Kraft mit Hilfe der Eltern und auch ärztlicher Unterstützung die Krankheit, geht es gestärkt aus der Krise hervor.

Krankheiten können sehr unterschiedlich wirken. Es gibt Krankheiten, die besonders das Lymphsystem und die Drüsen beanspruchen und damit die Lebenskräfte herausfordern. Andere betreffen die Atmung und lassen im Seelischen reifen, während wieder andere, wie Scharlach zum Beispiel, das Stoffwechselsystem aktivieren und so auf die Ich-Organisation wirken. Nimmt man diese Aspekte hinzu, so können wir eventuell gelassener mit den lästig-irdischen Krankheiten umgehen und ihnen vielleicht auch eine himmlische Seite abgewinnen.


Inhalt • Frühling 2019


Thema: Kinderkrankheiten

  • René Madeleyn: Haben Kinderkrankheiten (noch) einen Sinn?

Mensch & Initiative

  • Ingrid Schütz: Familienzentriertes … bitte was?
  • Kirsten Schreiber und Christoph Meinecke unterstützen bei der Kindererziehung

Mit Kindern leben 

  • Irmgard Kutsch: Wie Walnüsse Gemeinschaft stiften
  • Susanne Bregenzer: Emotionale Arbeit – auch das noch

Leicht gemacht 

  • Caroline Hosmann: Babyhaut pflegen

Kindergartenpraxis

  • Michaela Kronshage und Sylvia Schwartz: Das Licht, die Farben und die Fensterbilder
  • Susanne Vieser und Birgit Klotz: Sie wollen Waldorferzieher werden?

Blick in die Welt 

  • Christina Reinthal: Costa Rica – Waldorf im Alleingang
  • Dagmar Scharfenberg: Waldorf100 … und wie feiert Ihr?

Dialog 

Kolumne | Müllers Meinung

  • Birte Müller: Warum sollen Kinder nicht Kinder sein?

Die Zeitschrift »Erziehungskunst – Frühe Kindheit« wird von der Vereinigung der Waldorfkindergärten in Zusammenarbeit mit dem Bund der Freien Waldorfschulen herausgegeben.


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