Frühe Kindheit • Frühjahr 2021


Temperamente

Wahrscheinlich wird keine Jahreszeit mit solch einer Sehnsucht erwartet wie der Frühling. Lange schon kündigt er sich an. Schon im Winter, wenn der Boden nicht gefroren ist, wir vielleicht verspätet noch Blumenzwiebeln einsetzen, können wir die kleinen Triebspitzen in der Erde verborgen fühlen und sehen. Ist der Schnee dann geschmolzen, schieben die Schneeglöckchen und Winterlinge ihre Blüten hervor, die ersten Primeln fangen zu blühen an. Bald folgen die Krokusse, Anemonen, Wildtulpen und schließlich die Narzissen. An den Hecken können wir die winzig kleinen weißen Schlehenblüten erkennen, im Wald stehen der hellgrüne Bärlauch und die gelben Schlüsselblumen. Die Welt ist wieder frisch und bunt, sie beginnt zu duften und das Summen der Bienen ist wieder zu hören.

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

So heißt es schon in dem Gedicht Er ist’s von Eduard Mörike. Das gesamte Frühlingsgeschehen leuchtet darin auf und bringt die kühle, starre Schönheit des Winters in Bewegung.

In diesem Jahr ist der Frühling vor allem auch mit der Hoffnung auf Freiheit verknüpft, mit der Freude, sich bewegen zu dürfen in Luft und Licht. Die Zeit der Stille, des Rückzuges nach innen, wurde zu einer extremen seelischen und physischen Belastungs- und mancherorts zu einer Zerreißprobe. Alle waren immerfort zu Hause – Groß und Klein, in kleinen oder großen Wohnungen, mit oder ohne Garten. Alles musste gleichzeitig stattfinden, die Kleinen betreut, die Großen unterrichtet, die eigene Arbeit, soweit man sie noch hat, verrichtet werden. Alle sind blass und dünnhäutig geworden, jedes Wort, jede Handlung bekam eine übergroße Bedeutung. Mit dem Frühling sind die Sorgen nicht einfach vorbei, auch sind die Folgen auf allen Ebenen zu spüren. Und doch beginnt mit ihm ein neuer Zyklus des sichtbaren Wachstums, das lange vorbereitet in seiner Unbeirrbarkeit und Verlässlichkeit sich vollzieht. Es ist eine Art Auferstehung, die kulturell-religiös ihren Höhepunkt im Osterfest findet. Ein Gang durch diese Frühlingswelt mit offenen Augen kann so gleichsam heilend wirken.

Ariane Eichenberg


Inhalt • Frühling 2021


Thema

  • Michaela Glöckler: Welches Temperament hat mein Kind?

Mensch und Initiative

  • Immer sind es die Menschen. Ein Porträt über Ute Strub von Ariane Eichenberg

Mit Kindern leben

  • Irmgard Kutsch: Mehr Natur für Kinderorte
  • Christiane Kutik: Erziehen ohne Schimpfen?

Leicht gemacht

  • Inge Heine: Wie viel Wärme braucht mein Baby?

Kindergartenpraxis

  • Nils Johannes Kubiak: Sprachpflege in der Reigenarbeit
  • Judith Ebbing: Die Bewegungen sind der Zauberspruch!

Blick in die Welt

  • Lioba Keuck: Das Wandern ist des Kindes Lust. Ein Kindergarten geht raus – mitten in der Großstadt

Dialog

  • Unter dem Regenbogen. Im Gespräch mit dem Team der Regenbogenstation in der Filderklinik

Kolumne

  • Birte Müller: Zweite Welle

Die Zeitschrift »Erziehungskunst – Frühe Kindheit« wird von der Vereinigung der Waldorfkindergärten in Zusammenarbeit mit dem Bund der Freien Waldorfschulen herausgegeben.


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