Frühe Kindheit • Herbst 2022 • Zwischen Lockdown und Digitalisierung


Zukunftsfähig

Mit dem beginnenden Herbst wendet sich der Blick nach innen, auch wenn die Tage oftmals noch warm sind und als Nachklang des Sommers erscheinen.

So wie die Pflanzen und Tiere sich zurückziehen und auf den Winter vorbereiten, ziehen wir uns in unsere Häuser zurück und haben die Möglichkeit, Innenräume des Nachdenkens zu schaffen. Es ist die Zeit, die dem Erzengel Michael zugeordnet ist. Am 29. September feiern wir das Michaeli-Fest. Seine Zeichen sind das Schwert und die Waage, auf manchen Darstellungen findet sich auch die Weltkugel. Das Schwert ist Sinnbild für Mut, Stärke und Entschiedenheit, das Böse zurückzuweisen und letztlich zu besiegen. Die Waage fordert uns auf, Dinge in ein Gleichgewicht zu bringen, sie in diesem zu halten, auch wenn sie noch so verschieden sind – unser Herz wird darin angesprochen. Im Bild der Weltkugel verbindet der Mensch sich mit dem gesamten kosmischen Sein. Handlungsfähigkeit, Herzenswärme, Bewusstsein für das Ganze sind Qualitäten, die wir heute unmittelbar benötigen. Sie sind uns nicht geschenkt, wir müssen sie uns mühsam erarbeiten.

Der Krieg in der Ukraine, die Folgen der Pandemie, das Klima – vieles mehr ließe sich nennen – lassen sich kaum miteinander in Beziehung setzen und schon gar nicht durch das einzelne Individuum beeinflussen. Hilflos, gelähmt stehen wir vor ihnen, im Grunde handlungsunfähig. Schon das Begreifen fällt schwer. Und doch gehören sie zusammen und verweisen auf ein Phänomen, das zum Signum unserer Zeit geworden ist. Aus allem spricht Entfremdung: Entfremdung gegenüber den Menschen im Sozialen, Entfremdung gegenüber uns selbst und letztlich Entfremdung gegenüber der Natur. Die Folge ist Rückzug und seelische Kälte. Ganz anders die Kinder. Sie leben das genaue Gegenteil hiervon. Sie geben sich der Welt und dem anderen Menschen offen und rückhaltlos hin. Entfremden wir uns von der Welt, so nehmen wir ihnen die Möglichkeit, die Offenheit für die Zukunft, die Freude gegenüber der Welt auszuleben, sie weiter zu entwickeln und in die Zukunft hinüberzutragen. Es liegt an uns, ihnen ihre Wege nicht zu verbauen, sondern zu ebnen. Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Sicher gehört dazu, nach innen zu lauschen und einfach still zu werden im Lärm des Alltags. Und sicher gilt es auch, das Hören und Schauen nach außen zu wenden und das Einzelne wirklich wahrzunehmen. Sei es im Blatt, das im Wind herumgewirbelt wird, im Eichhörnchen auf dem Baum, einer Wolke am Himmel oder einem Regentropfen am Fenster. Es muss nichts Großes sein. Es kommt auf die Intensivität an, die Begegnungsqualität, die wir üben, im Hören nach innen und nach außen. Dadurch bildet sich ein Entwicklungsraum, in den die Kinder sich stellen können und der sie zukunftsfähig bleiben lässt. Denn das sind sie, von Anfang an.

Ariane Eichenberg


Inhalt • Herbst 2022


Thema

  • Rainer Patzlaff: Kindheit zwischen Lockdown und Digitalisierung

Mensch und Initiative

  • Mathias Maurer: Wege zu einer nachhaltigen Gesundheit

Mit Kindern leben

  • Karsten Massei: Natur erfahren
  • Natalie Rehm: Kinder liebevoll und aufmerksam im Alltag begleiten

Leicht gemacht

  • Nicola Schmidt: Erziehen ohne Schimpfen – so geht’s

Kindergartenpraxis

  • Hanako Reinau: Gesundes Mikrobiom – gesunder Mensch

Blick in die Welt

  • Christina Reinthal: Der Kindergarten Río Dulce in Argentinien und die Folgen der Corona-Krise
  • Lena Brügmann-Koegst und Felipa Wemheuer: Pilotprojekt: Klimaneutraler Waldorfkindergarten

Dialog

  • Barbara Leineweber: Das Miteinander im  Kindergarten. Versuch einer Bildgestaltung am Beispiel des Bienenlebens

Kolumne

  • Gerda Salis Gross: Spielkreise

Die Zeitschrift »Erziehungskunst – Frühe Kindheit« wird von der Vereinigung der Waldorfkindergärten in Zusammenarbeit mit dem Bund der Freien Waldorfschulen herausgegeben.


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