Frühe Kindheit • Winter 2022 • Kinder und die Welt der Gefühle


Das Alte und das Neue

Wieder einmal neigt sich das Jahr dem Ende zu und ein neues beginnt.

Eine Fülle von Ereignissen, schönen und schrecklichen, großen und kleinen hat uns berührt, erfreut oder auch erschüttert. Sie alle wollen angeschaut, aufgenommen und in unserer Seele wohl verwahrt werden. Wie aber soll dem Neuen Platz geschaffen und Raum gegeben werden, ohne dass es gar vom Alten erdrückt wird? Eduard von Mörike erzählte dem sechsjährigen Amele, der Tochter eines Freundes, auf seine Frage hin, wer denn der Silvester sei, die Geschichte vom alten Silvester und dem Jahrkind: Das ganze Jahr schläft der alte Silvester in seinem goldenen Himmelsbett und seine Mondschimmel mit den silbernen Hufen weiden auf der Himmelswiese, bis zur rechten Zeit ein Engel ihn weckt und ihn zu Gott bittet. Dort erhält er vom Erzengel Michael das Jahrkind, das dieser aus dem ewigen Strom heraushebt und ihm übergibt. Er setzt es in seinen Schlitten und saust die Weltenstraße hinunter zu den Menschen auf die Erde, um ihnen das neue Jahr zu bringen. Es wird mit Jubel empfangen. Das alte Jahr aber hockt am Tor, dunkel und traurig. Silvester nimmt es auf und bringt es in den Himmel, wo der Erzengel Michael es in den ewigen Strom taucht, auf dass es wieder neu geboren werden kann.

In dieser Geschichte ist im Bild geborgen, wie Altes und Neues zusammengehören, wie das eine ohne das andere nicht sein kann und sie sich im ewigen Wechsel von Entstehen und Vergehen bedingen. Denn in dem ewigen Strome wird das Alte aufgehoben und in Neues verwandelt und so immerfort und fort. Dazu allerdings bedarf es der Helfer – auf der einen Seite den Erzengel Michael als denjenigen, der an der Grenze von Zeit und Ewigkeit steht und das Göttliche in die Zeit holen und auch wieder zurückgeben kann und auf der anderen Seite den alten Silvester, der den Eintritt in die Zeit auf irdischer Seite vollzieht. Er muss ein ganzes Jahr schlafen und Kraft sammeln, sodass er seine einzige Handlung, den langen Weg mit seinem Schlitten zur Erde hinunterzufahren, vollbringen kann. Er gehört dem Zwischenbereich im doppelten Sinne an: Im Schlafen ist er irdisch und himmlisch zugleich wie auch auf seinem Weg vom Himmel auf die Erde und umgekehrt. In diesem Dazwischensein liegt die Qualität, die wir benötigen, damit das Alte nicht verlorengeht und das Neue sich ereignen kann. – Die Kinder hingegen leben immerzu das Neue und sind immer in der Gegenwart-Ewigkeit. Dass sie das können, dazu brauchen auch sie Helfer. Uns, die wir ihnen den Weg und die Zeit dazu bereiten.

Ariane Eichenberg


Thema

  • Elke Rüpke: Kleine Kinder und die Welt der Gefühle

Mensch & Initiative

  • Im Gespräch mit Rainer Patzlaff: Immer mit dem Blick voraus

Mit Kindern leben

  • Susanne Altenried: »Es gibt so wunderweiße Nächte ...«
  • Melanie Lisges: Oh du Fröhliche! Lieder, Rezepte und Gedichte
  • Judith Ebbing: Wenn Angehörige sterben – gemeinsam mit Kindern Abschied nehmen

Leicht gemacht

  • Frank Kaliss: Vorlesezeit ist Bildungszeit. Gesichtspunkte zur Auswahl von Kinderbüchern

Kindergartenpraxis

  • Melanie Lisges: Lärm im Kindergarten

Dialog

  • Ellen Heidböhmer: Selbstfürsorge ist eine Notwendigkeit

Kolumne

  • Gerda Salis Gross: Neni ist immer da

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