Frühe Kindheit • Frühjahr 2020


Vom Sinn der Sinne

»Sinn ist etwas, durch das wir uns Erkenntnis verschaffen, ohne Mitwirken des Verstandes.« Die Evidenz dieser Aussage Rudolf Steiners ist an kleinen Kindern unmittelbar erlebbar. Kinder sind mit ihrem ganzen Wesen hingegeben an das, was sie tun. Kein urteilender Begriff schiebt sich zwischen sie und die Welt – sie sind die Welt. Umgekehrt könnte man sagen, dass sie zum Auge und Ohr der Welt werden, die sich durch ihr Sehen und Hören offenbart. Am schönsten ist das draußen zu beobachten: wenn sie sich tanzend drehen bei plötzlich aufkommenden Wind, wenn sie sich mit aller Lust und Wonne in hohes Gras werfen, die Füße in die matschige Erde bohren, Wasser immer erneut durch Hände rinnen lassen oder wenn sie wohlig still in der Wärme der Sonne werden. Das Wesen der Elemente scheint in solchen Momenten als eine Art Urbild aufzuleuchten und weit über zuschreibende Begriffe hinauszureichen. Kinder leben auf der Innenseite der Wirklichkeit, dort, wo die Welt noch atmet.

Durch die Sinne gebe ich der Welt Sinn – nicht umsonst verschränken sich in diesem Wort das Wahrnehmungsorgan und die Bedeutungszuschreibung – durch sie kann ich den Zusammenhang mit der Welt erkennen und auch wieder herstellen. Schaut man auf das Verb »sinnen« und seine Herkunft »sinnan«, was soviel wie nachdenken, seine Gedanken auf etwas richten und zugleich reisen bedeutet, wird sichtbar, was Sinnesentwicklung ist: mit meinen sinnenden Sinnen begebe ich mich auf eine innere-äußere Reise. Die Sinne sind das Tor zur Welt und zu meinem Ich. In ihnen lebt immer ein Doppeltes, sie sind Ausatmen und Einatmen, Aktivität und Passivität, Geben und Empfangen in einem. Sinne sind Beziehungsorgane und Grundlage für jedes soziale Miteinander. Werden die leiblichen Sinne nicht gepflegt, verkümmern sie. Ein Nachreifen ist kaum mehr möglich, da die sensible Phase an bestimmte Entwicklungszeiten gebunden ist. Die Folgen sind dann mehr als ein Verlust leiblicher Fähigkeiten und differenzierter Wahrnehmungsmöglichkeiten, sie bedeuten letztlich die soziale Isolation.

Gelingt es dagegen, die Sinne als »soziale« Erkenntnisorgane auszubilden, erfährt sich das Ich als Welt und die Welt als Ich.

Ariane Eichenberg


Inhalt • Frühling 2020


Thema

  • Philipp Gelitz: Ein sinnvoller Start in die Welt

Mensch & Initative

  • Eine Feuerwehr für Familien. Bereitschaftspflegekräfte helfen Kindern in Not. Im Gespräch mit Claudia Schüler

Mit Kindern leben

  • Ulrike Kaliss: Wann ist Ostern?
  • Claudia Schmidt-Pfennigsdorf: Regeln und Wünsche

Leicht gemacht

  • Karin Michael: Fußbäder für Kinder

Kindergartenpraxis

  • Susanne Vieser: Spielmaterial in Waldorfeinrichtungen

Blick in die Welt

  • Shannon Honigblum: Waldorf an der Elfenbeinküste

Dialog

  • Irina Baumgärtner-Schweizer und Anita Sonntag: Reaktionen auf »Erziehungspartnerschaft – eine Illusion?«
  • Die Krippe als Ergänzung im Familienalltag. Im Gespräch mit Ulrike Bishop, Ulrike Becker und Edmunde Christoph

Kolumne

  • Birte Müller: Eine Kampfansage

Die Zeitschrift »Erziehungskunst – Frühe Kindheit« wird von der Vereinigung der Waldorfkindergärten in Zusammenarbeit mit dem Bund der Freien Waldorfschulen herausgegeben.


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