Frühe Kindheit • Winter 2021 • Entwicklung


Sternenräume

Die Tage werden nun zusehends kürzer, bis mit der Wintersonnenwende am 21. Dezember der kürzeste Tag im Jahr und die längste Nacht erreicht sind. Das Fehlen des Lichtes und der Wärme empfinden wir meist als einen Mangel, der sogar zu Niedergeschlagenheit und seelischer Depression führen kann. Blicken wir allerdings einmal in diese langwährende Nacht – die in Hamburg über 16 Stunden andauert – und richten unseren Blick auf die Sterne, so können wir umgekehrt auch hier eine besondere Schönheit wahrnehmen. Denn in der kalten Jahreszeit leuchten diese besonders klar am dunklen Himmel. Keine Wärme, die vom Boden aufsteigt, lässt die Luft flimmern und den Himmel trübe werden. Die Wintersternbilder sind deutlich sichtbar. Am eindrucksvollsten ist sicher der »Himmelsjäger« Orion, der Schild und Keule zum Angriff gegen den benachbarten Stier erhoben hat. Mit seinen hellen Sternen Betageuze und Rigel ist er leicht zu er- kennen – auch für Kinderaugen. Der Blick in diese schöne und geheimnisvolle Welt lässt die eigenen Sorgen und Schwierigkeiten, mit denen wir uns am Tag herumplagen, schwinden – im Anblick der wandelnden- unwandelbaren Sterne können wir still werden und innerlich weit.

Sterne wiesen den Menschen schon immer den Weg, sie gaben ihnen Orientierung für ihr gesamtes Leben. Die drei Weisen aus dem Morgenlande sahen alle gleichzeitig den Stern am Himmel, der ihnen den Weg nach Betlehem zum Christuskind zeigte. Sie ließen sich nicht von Herodes beirren, der ihr Wissen in seine Dienste stellen wollte. Die Hirten auf dem Felde hörten im Traum die Botschaft der Engel. Sie nahmen im Inneren wahr, wohin sie aufbrechen mussten. Uns führen heute die Sterne nicht mehr, auch im Inneren haben wir niemanden, der uns sagt, was zu tun ist. Wir können die Sterne am Himmel nur als Bild begreifen, in der Gewissheit, dass ihr Eingebundensein in kosmische Gesetzmäßigkeiten uns Orientierung geben kann sowie die Innenwendung der Hirten Bild dafür ist, auf unsere innere Stimme in uns zu hören. Orientierung kann heute nur aus Freiheit uns selbst und den anderen gegenüber gewonnen werden. Das ist in einer Zeit des Ungewissen schwierig, manchmal vielleicht auch unmöglich, aber umso notwendiger.

Birte Müller hat uns – seit der Gründung der Erziehungskunst. Frühe Kindheit – viermal im Jahr mit ihrer witzigen Art zu schreiben erfreut. Die Lektüre hat immer Spaß gemacht und es war oftmals geradezu be- freiend, die Welt mit ihrem schräg-schönen Blick zu betrachten. Sie schreibt nun in dieser Ausgabe ihre letzte Kolumne. Wir danken ganz herzlich mit einem weinenden Auge. Das lachende gilt Gerda Salis Gross, die im neuen Jahr Geschichten über Kinder schreiben wird.

Ariane Eichenberg


Inhalt • Winter 2021

Thema

  • Claudia Schüler: Der Raum für Entwicklung beginnt am Wickeltisch

Mensch & Initiative

  • Jutta Middendorf-Hansen und Sabine Achterkamp: Märchen für Klein und Groß im Münsterland
  • Ingrid Weidenfeld: Eine Michaels-Kämpferin für das kleine Kind

Mit Kindern leben

  • Christel Dhom: Glückliche Enkel – glückliche Großeltern
  • Sabine Mänken: Das Wesen der Mutterschaft

Leicht gemacht

  • Dagmar Scharfenberg: Das bisschen Haushalt

Kindergartenpraxis

  • Susanne Kiener und Daniel Schaarschmidt-Kiener: Über Weihnachtskerzen und Winterbienen 29 Sandra Küchlin: Gärtnern im Kindergarten

Blick in die Welt

  • Dagna Mondaca: Überschüssiges Spielzeug
  • Christina Reinthal: Waldorf im buddhistischen Tempel

Dialog

  • Gabriela Stammer: Schwangerschaft ist keine Krankheit

Kolumne

  • Birte Müller: Veränderungen

Die Zeitschrift »Erziehungskunst – Frühe Kindheit« wird von der Vereinigung der Waldorfkindergärten in Zusammenarbeit mit dem Bund der Freien Waldorfschulen herausgegeben.


Bei Fragen zu Bestellungen wenden Sie sich bitte an:
Leserservice | Verlag Freies Geistesleben | Postfach 13 11 22 | 70069 Stuttgart | Tel: 0711 2853226 | Fax: 0711 2853210
E-Mail: abo(at)geistesleben.com

ABO Frühe Kindheit

Wünschen Sie ein ABO der Zeitschrift »Frühe Kindheit«? Dann klicken Sie auf diesen Link, der Sie zum Bestellformular führt.


Bestellung Einzelheft »Frühe Kindheit«

Bitte schicken Sie mir das folgende Einzelheft / folgende Hefte des Magazins »Frühe Kindheit« zum Preis von Euro 3,90 (zuzüglich Versandkosten) pro Heft zu.

Mit * markierte Felder müssen ausgefüllt werden.

Diese Bestellung kann ich innerhalb einer Woche widerrufen. Bitte Rechnung abwarten, keine Überweisungen im Voraus. Preisänderungen vorbehalten.

Abstand
Folgen