Frühe Kindheit • Sommer 2018


Tiere sind kein Spielzeug

»Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett in ein ungeheures Ungeziefer verwandelt.«  Franz Kafkas Handlungsreisender Samsa bleibt von nun an als Mensch in seinem gepanzerten Körper gefangen. Er stirbt dann letztlich unerlöst, da er nicht erkennt, was diese Verwandlung mit ihm selbst zu tun hat. Gregor Samsa ist ausgeschlossen aus der menschlichen Gesellschaft, weder Schwester noch Eltern erkennen ihn in seinem Gehäuse und versagen ihm ihre Liebe.

Anders als die Königstochter, die ihren Schrecken überwindet und ihren Bräutigam in Igelgestalt lieben lernt. Sicher ist ein Igel, sind Esel, Eber, Bären, Löwen, Stiere keine ungeheuren Ungeziefer und die Liebe zu diesen verwandelten Prinzen fällt leichter. Doch zeigt gerade Kafkas extremes Beispiel, worauf es im Umgang mit Mensch und Tier ankommt: wahrzunehmen, was ihr Wesen ausmacht, was die Tiere mit uns selbst zu tun haben und schließlich allen uneingeschränkte Achtung entgegenzubringen.

Ein Spinnennetz in der Morgensonne, das winzig kleine Zaunkönignest versteckt in der Hecke, die Schnecke mit ihren zarten Fühlern, der Regenwurm, der kaum gesehen schon wieder in der Erde verschwunden ist, verkörpern jeder auf eigene Art und Weise Schönheit und Weisheit, die über uns hinausgeht.

Die Kinder nehmen im besonderen Maße gerade diese für uns oft unsichtbaren Tiere wahr. Sie haben große Freude an ihnen, sind unbefangen oder auch furchtsam und ängstlich. Ein Käfer auf dem Weg wird von den Größeren in einer großen Aktion gerettet, manchmal mit einem Blatt, manchmal mutig mit der bloßen Hand, während die Kleineren meist respektvollen Abstand halten. Man weiß ja nicht so genau, was als nächstes
passieren könnte. Eine unerwartete Bewegung kann höchstes Vergnügen oder Schrecken hervorrufen.

Ist die Begegnung mit den kleinsten Tieren auf Beobachtung und Wahrnehmung angewiesen, so rufen die großen Tiere Sehnsucht nach unmittelbarer Berührung und Begegnung hervor. Das weiche Fell lockt die Hand, beim kleineren Kind den ganzen Leib an. Doch streicheln ist nicht einfach. Tierfell lässt sich nicht beliebig nach allen Richtungen wenden, die Bewegung muss zudem ruhig und zart sein und doch kräftig und die Stimme leise. Geschrei erschreckt jedes Tier sofort. Die Tiere spiegeln unseren Umgang mit ihnen unmittelbar wieder.

Haustiere für Kinder machen nur Sinn, wenn wir selbst in ihnen einen Sinn sehen, sie pflegen und achten. Ein kleines Kind kann nicht die Verantwortung für ein Tier übernehmen, dazu sind erst die Schulkinder fähig – und auch das nur bedingt. Können wir das leisten, wollen wir das?, muss eine der ersten Fragen von uns Eltern sein. Erst wenn wir die für das Tier sorgen, können auch die Kinder einen liebevollen Umgang mit ihm lernen.

Sicher ist es wunderbar, wenn wir auf dem Land leben können. Und doch hält auch die Stadt Wunder bereit. Wir können auch hier das Unscheinbare, vielleicht auf den ersten Blick Hässliche, entdecken und wie Pelle aus Saltkrokan Wespen als Haustiere halten.


Inhalt • Sommer 2018

Thema: Kinder & Tiere

  • Sabine Gehle: Stallnachrichten. Begegnungen mit Tieren im Kindergarten auf dem Bauernhof
  • Manfred Schulze: Elementar und persönlich – eine tierphilosophische Betrachtung

Mensch & Initiative

  • Ingrid Schütz: »Die Welt ist gut« im Dorf Seewalde

Mit Kindern leben

  • Stephanie Birkenstock-Würtenberg: Rezept für einen wunderbaren Sommertag: Wasser und Zeit
  • Marie-Luise Compani: Kleidung für Kinder ist mehr als etwas zum Anziehen

Leicht gemacht

  • Sara Koenen: Aufräumen. Durch äußere innere Ordnung schaffen

Kindergartenpraxis

  • Susanne Kiener und Daniel Schaarschmidt-Kiener: Bienen – das Wunder des Schlüpfens

Blick in die Welt

  • Nana Göbel: Kinderkrippen am Kap

Dialog

  • »Ich will das nicht« – Pränataldiagnostik. Im Gespräch mit Kathrin Fezer Schadt

Kolumne | Müllers Meinung

  • Birte Müller: Hast du das denn nicht getestet?

Die Zeitschrift »Erziehungskunst – Frühe Kindheit« wird von der Vereinigung der Waldorfkindergärten in Zusammenarbeit mit dem Bund der Freien Waldorfschulen herausgegeben.


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