Hilfe in kenianischen Flüchtlingslagern

Februar 2018

Nur hundert Kilometer von der Grenze zum Südsudan entfernt liegen die Flüchtlingslager Kakuma und Kalobeyei. Hundertausende Menschen leben hier. Sie fliehen vor Krieg, Gewalt, Hunger und Dürre. Meist sind die Lager ihre letzte Zuflucht.

Zwar handelt es sich bei Afrika um den Kontinent mit den meisten Flüchtlingen insgesamt, doch viele von ihnen sind sogenannte Binnenflüchtlinge, Flüchtlinge im eigenen Land, oder fliehen in die Nachbarstaaten. Ein Ende des Flüchtlingsstroms nach Kenia ist nicht Sicht. Die Menschen kommen aus dem Südsudan und aus Somalia, aber auch aus Burundi, Äthiopien oder Kongo. Länder, deren anhaltenden Krisen in der westlichen Presse kaum mehr Beachtung finden. Für die Menschen vor Ort sind sie jedoch nach wie vor Realität, an eine Rückkehr ist für die meisten nicht zu denken.

Vor sechs Jahren reiste das erste Mal ein notfallpädagogisches Team nach Kakuma, um die dort Lebenden zu unterstützen. Sie haben Schreckliches erlebt und benötigen Hilfe bei der Verarbeitung ihrer Erfahrungen. Unsere Partner-Organisation Waldorf Kakuma Project arbeitet täglich mit den Kindern in den Camps Kakuma und Kalobeyei. Die meisten der lokalen Mitarbeiter sind selbst als Flüchtlinge hierher gekommen. Um sie zu unterstützen und in der notfallpädagogischen Arbeit weiterzubilden fand ein weiterer notfallpädagogischer Einsatz in den Flüchtlingslagern statt.

John ist zehn Jahre alt und stammt aus dem Kongo. Er kommt direkt auf das Notfallpädagogik-Team zu und sucht die Nähe der Teamer von Waldorf Kakuma. Einer von ihnen erzählt, dass John schon 2012, als die Arbeit im Flüchtlingslager Kakuma startete, gleich bei den Aktivitäten dabei gewesen sei und täglich in den neu entstandenen Kindergarten kam. Schnell fiel auf, dass er immer mit großem Hunger kam. Die Teamer kümmerten sich intensiver um ihn und recht schnell stellte sich heraus, dass John ein Waisenkind ist. Er wuchs bei Verwandten auf und wurde dort misshandelt. Mit Hilfe von Waldorf Kakuma konnte er in ein Schutzzentrum aufgenommen werden. Er besuchte zwei Jahre den Kindergarten. Heute lebt John bei einer Pflegefamilie, geht zur Schule und entwickelt sich sehr gut.

Für Eric war Fliehen der einzige Weg in eine Zukunft. Politische Morde, Vergewaltigungen und Gewalt gegen Zivilisten sind in seiner Heimat Burundi an der Tagesordnung. Wie in vielen afrikanischen Ländern ist zudem der Einsatz von Kindersoldaten selbstverständlich. Manche Kinder melden sich freiwillig, doch Tausende werden gewaltsam in den Krieg gezwungen. Auch Eric wird als Kind verschleppt und sollte als Kindersoldat zwangsrekrutiert werden. Ihm gelang die Flucht, doch die Rebellen bedrohten ihn und seine Familie weiter, bis er sein Land schließlich verlassen musste.

Er landet im Camp Kakuma, wo er von Beginn an bei Waldorf Kakuma mitarbeitet. Er erzählt, dass die schönen Erfahrungen, die er dort macht, ihm das Ankommen und nun auch das alltägliche Leben im Camp erleichtern. Die Unterstützung durch das internationale Team in der notfallpädagogischen Arbeit mit den Kindern und die täglichen Ausbildungseinheiten lassen ihn zuversichtlicher in seine Zukunft blicken: »Ich wünsche mir, eines Tages in mein Land zurückkehren zu können. Dort möchte ich endlich als Lehrer arbeiten und die notfallpädagogischen Methoden, die ich hier gelernt habe, einbringen.«

Notfallpädagogik-Mitarbeiter Carsten, der sonst mit Geflüchteten am Parzival Zentrum in Karlsruhe arbeitet plante und baute während des Einsatzes einen Kinderspielplatz.

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