»Brush the way«. Waldorfschüler gestalten den öffentlichen Raum

Von Hans-Wolfgang Roth, Februar 2019

In fast jeder Stadt gibt es Bereiche, oftmals Bahnhofszuwege, die weniger im Bewusstsein der Stadtöffentlichkeit stehen und für deren Ausgestaltung viel Geld ausgegeben werden müsste. Schnell geschieht es dann, dass diese »vergessenen Bereiche« äußerlich und innerlich jede Form verlieren und allen möglichen, zum Teil destruktiven »Bearbeitungen« ausgeliefert sind. Die Atmosphäre ist dann entsprechend geprägt und die Nutzer dieser Durchgangsräume fühlen sich unwohl.

In Stade bei Hamburg durften wir die Erfahrung machen, dass sowohl die Stadt als auch die Bahn aufgeschlossen und froh waren und sind, dass diese ungeliebten Bereiche wieder ergriffen werden. So können wir nach sieben Jahren, in denen jedes Jahr durch unsere 11. Klasse eine neue Ausmalung stattfindet, sagen, dass die anfangs noch beschädigten Bilder nun kaum mehr beeinträchtigt werden und oft ein ganzes Jahr betrachtet werden können. 

In den ersten Jahren mussten wir ab und zu die zerstörerischen Eingriffe wieder »bildnerisch verdauen«, also aus den Beschädigungen wieder etwas Konstruktives entwickeln. Durch diese kontinuierliche »bildnerische Pflege« wurden wir ein sichtbarer Bestandteil der Stadtöffentlichkeit. Für die Schule bietet sich dadurch die wunderbare Gelegenheit einer kontinuierlichen Öffentlichkeitsarbeit, die täglich und ganzjährig von vielen Menschen wahrgenommen wird. Es gibt eine Beschilderung über die Zusammenarbeit der Schule, der Stadt und der Deutschen Bahn. Der Gewinn liegt aber auch im ganztägigen Unterricht über drei bis fünf Tage im Bereich Malerei. Für die Schüler ist es meistens ein Gestaltungsfest, das mit innerem Engagement geführt wird und gleichsam den Epochen- und Jahresabschluss darstellt. Es braucht nicht viel: ein Transportfahrzeug für Farben, Pinsel, Tischplatten und Böcke und die Parkerlaubnis des Ordnungsamtes.

Das, was wir hier in Stade tun, können auch Waldorfklassen auf der ganzen Welt: eine künstlerisch gestaltete Qualität in den öffentlichen Raum tragen und von vielen Menschen gesehen werden. Ideal wäre die Vernetzung der aktiven Schulen durch den Austausch auf einer Plattform. Dort könnten die jeweiligen beteiligten Städte und Schulen mit Film und Fotobeiträgen auf Monitoren in der Stadt während der Ausmalungsaktion gezeigt werden und mit entsprechender Plakatierung die Aktion »Waldorf 100« mit dem Beitrag »brush the way« unterstützen.

In Stade werden wir in der vorbereitenden Kunstepoche zunächst unter dem Arbeitstitel »Eisen verbindet« beginnen. Zum Beispiel könnten mit den Farben der Fahnen der Länder, die sich beteiligen– falls »brush the way« von den Waldorfschulen aufgegriffen würde – abstrakte Kompositionen entwickelt werden, aber wer weiß, welche Ideen während des Schaffens oder beim Austausch entstehen. 

Kontakt: Hans-Wolfgang Roth, h.roth(at)waldorfschule-stade.de

Links:https://www.waldorf-100.org/projekte/aktion-brush-the-way/ | https://www.waldorfschule-stade.de/waldorf-100-schulprojekt/ 

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