Wollen wir das alles überhaupt?

Von Antje Bek, Mai 2020

In den verschiedenen Artikeln, die bisher auf der Website der Erziehungskunst erschienen sind, setzen sich die Autoren mit den Folgen des so genannten Lock-Down sowie den so genannten Hygiene-Regeln auseinander.

Ganz im Sinne der »Positivitätsübung« bemühen sie sich, neben den vielleicht zunächst unangenehm erscheinenden Folgen der Maßnahmen bzw. Hygienevorschriften, auch auf die positiven Seiten zu schauen. Darauf, was wir daraus lernen können. So beginnt Ulrike Sievers ihren Artikel mit dem Satz: »Wir Pädagogen dürfen gerade jetzt – gratis und in bester Waldorf Manier – selber in ein richtig lebendiges Lern-Erlebnis eintauchen.«

Geht es dabei wirklich um ein »Dürfen«? Ist es nicht eher ein »Müssen«? Und ist dieses »Müssen« so etwas wie ein Schicksalsschlag, der auf uns niederschlägt? Ein entsprechendes Empfinden ist sicherlich berechtigt. Aber haben wir es hier nicht mit Gesetzen, Rechtsverordnungen und Vorgaben zu tun, die von Menschen gemacht wurden? Dass dem so ist, zeigt sich schon daran, dass sich die Vorgaben von Bundesland zu Bundesland unterscheiden und erst recht von Staat zu Staat. Andererseits wiederum ähneln sie sich aber durchaus. In dem Bericht von Dorothee Prange, werden von einer Erzieherin in China die dortigen Vorgaben geschildert: »Jedes Kind muss das Klassenzimmer direkt über den festgelegten Durchgang vom Tor aus betreten, und zwischen den einzelnen Personen sollte ein Abstand von mehr als einem Meter bestehen. Kein Singen, kein Flötenspiel, kein gemeinsames Essen, der Lehrer und die Kinder müssen den ganzen Tag Masken tragen …« Das führt die Erzieherin zu der Überlegung, ob es für die Kinder nicht besser sei, sie zuhause spielen zu lassen, als sie einer solchen Situation auszusetzen.

Was wollen wir denn für unsere Kinder? Fragen wir uns das überhaupt noch?

Zu dem gesamten Phänomen rund um »Corona« gehört auch, dass es polarisiert. Die einen bestehen auf Einhaltung der Maßnahmen, da sie sich vor einer Ansteckung fürchten. Die anderen sehen sie – zumindest inzwischen – als vollkommen überflüssig an. Es ist aber so, dass wir im Grunde gar nicht die Wahl haben. Schulen – und nicht nur sie – müssen die Hygienevorschriften einhalten: 1,5 m Abstand zum nächsten Menschen und Maskenpflicht, wo das nicht einzuhalten ist, z.B. auf den Gängen oder wenn sich die Lehrperson einem Kind im Klassenraum nähert, um ihm bei den Aufgaben zu helfen. Dazu kommt, dass die Kinder angehalten werden müssen untereinander Abstand zu halten. Wir werden weiterhin gezwungen, die Schüler auch auf Distanz, sprich per »Homeschooling« zu unterrichten – ein Widerspruch in sich.

Wollen wir das alles? Dazu werden und wurden wir nicht befragt. Könnte es aber nicht Sinn machen, sich das einmal selbst zu fragen? Sich darüber bewusst zu werden? Wie will ich – als Lehrerin – mit den Kindern zusammen sein? Wie wollen Kinder zusammen sein? Wie möchten die Kinder mit mir zusammen sein? Was brauchen sie denn? Was brauchen Kinder, um ihre Seelenkräfte gesund zu entwickeln? Was brauchen Kinder, damit sie im späteren Leben ihren Weg finden und diesen gestärkt in bestmöglicher Gesundheit gehen können? Dienen die geltenden Vorgaben dem Wohle und der Entwicklung der Kinder?

Für diese Fragen, die im Zentrum einer menschengemäßen Pädagogik wie der Waldorfpädagogik stehen, noch einmal so richtig aufzuwachen, scheint mir etwas zu sein, wozu uns diese Menschheitskrise auch führen kann!

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