Autoritative Erziehung senkt Suizidrisiko bei Jugendlichen

Juni 2014

Kinder, die von ihren Eltern sehr liebevoll, aber auch mit starker Kontrolle und Regeln erzogen werden, sind als Jugendliche deutlich weniger selbstmordgefährdet. Das fanden jetzt Forscher des Universitätsklinikums Erlangen in Kooperation mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen und der Medizinischen Hochschule Hannover heraus.

Die Wissenschaftler empfehlen, die gewonnenen Erkenntnisse in bestehende Maßnahmen zur Prävention zu integrieren. So sollten Eltern schon früh in Kursen zur Geburtsvorbereitung oder bei den sogenannten U-Untersuchungen auf die Vorteile und die Möglichkeiten des autoritativen Erziehungsstils hingewiesen werden.

Die Forschergruppe um PD Dr. Carolin Donath vom Uni-Klinikum Erlangen konnte mit ihrer Studie zeigen, dass der autoritative Erziehungsstil »eine schützende Wirkung« für Kinder hat. »Kinder, die sowohl starke Zuwendung als auch ein hohes Ausmaß an Kontrolle und Regeln durch ihre Eltern erlebt hatten, haben im Alter von 15 Jahren seltener schon einmal ernsthaft versucht, sich umzubringen als Jugendliche, die eine andere Erziehung erlebt hatten«, sagte Dr. Donath. Im Unterschied zum autoritären Erziehungsstil, bei dem Eltern von ihrem Kind in erster Linie Gehorsam erwarten, ihre Entscheidungen kaum diskutieren oder erläutern und Bestrafungen das bevorzugte Erziehungsmittel sind, schätzen die Eltern eines autoritativen Erziehungsstils den eigenen Willen des Kinds und berücksichtigen seine Interesse. Allerdings hat die elterliche Sichtweise Vorrang und der Elternwille wird durch Argumente durchgesetzt.

Im Gegensatz zum autoritativen Erziehungsstil konnte die Forschergruppe aufzeigen, dass sich das Risiko für Suizidversuche im Jugendalter bei einem in der Kindheit erlebten ablehnend-vernachlässigenden Erziehungsstil erhöht. »Das heißt, Kinder, die sowohl wenig elterliche Zuneigung als auch gleichzeitig wenig elterliche Kontrolle erlebten, hatten im Jugendalter ungünstigere Bedingungen für psychische Gesundheit«, erläuterte Dr. Donath. Ein autoritärer Erziehungsstil hatte dagegen keinen Einfluss auf Suizidversuche, war aber verbunden mit einem erhöhten Auftreten von Suizidgedanken. Der autoritative Erziehungsstil ist mit der geliebten Autorität der Waldorfpädagogik verwandt.

9 % der 15-Jährigen in Deutschland haben Suizidversuch unternommen

Den Forschern gelang es auch, weitere Risikofaktoren für Suizidversuche bei Jugendlichen zu ermitteln. Dazu zählen das weibliche Geschlecht, ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung), Rauchen, Rauschtrinken, Migrationshintergrund und Trennung der Eltern. Deutschlandweit haben 9 % der 15-jährigen schon einmal ernsthaft versucht, sich umzubringen. Rund 40 % haben schon einmal über einen Suizid nachgedacht. Grundlage der repräsentativen Studie war eine Fragebogen-Untersuchung bei 44.134 Jugendlichen in ganz Deutschland.

Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt veröffentlicht in BMC Pediatrics.2014, 14:113 DOI: 10.1186/1471-2431-14-113 und sind online frei verfügbar unter www.biomedcentral.com/1471-2431/14/113.

Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten in dieser Kategorie

Finanzielle Förderung für künftige Waldorflehrer

Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn hat in Zusammenarbeit mit dem Bund der Freien Waldorfschulen eine Förderung für... [mehr]

Für einen sachorientierten Blick auf Impfungen

Die Medizinische Sektion am Goetheanum und die Internationale Anthroposophische Ärztevereinigung halten fest: Anthroposophische Medizin vertritt... [mehr]

Mensch werden im digitalen Zeitalter. Netzwerktreffen in Dornach

Um sich über die dringendsten Arbeits- und Forschungsaufgaben für die Waldorfschul- und Kindergartenbewegung auszutauschen, haben sich etwa 20... [mehr]

Ausstellung: Metamorphose Mensch & Tier

Nach Darwin ist der Mensch das Zufallsprodukt eines blinden Naturprozesses. Rudolf Steiner nahm Darwins Abstammungsgedanken auf, ergänzte ihn aber... [mehr]

Universität Witten/Herdecke vom Wissenschaftsrat für weitere fünf Jahre akkreditiert

Die Universität hat die Begutachtung durch den deutschen Wissenschaftsrat erfolgreich durchlaufen und erhält neben einigen Empfehlungen und Auflagen... [mehr]

Lehrstuhl für Medienpädagogik an der Freien Hochschule Stuttgart

Der Startschuss ist gefallen: Mit einem Festakt eröffnete die Freie Hochschule Stuttgart – Seminar für Waldorfpädagogik ihren von der Tessin-Stiftung... [mehr]

Weniger Vernetzung, mehr Intelligenz

Je intelligenter ein Mensch ist, desto weniger vernetzt sind die Nervenzellen in seiner Großhirnrinde. Zu diesem Ergebnis kommen Neurowissenschaftler... [mehr]

Kindergesundheit: Deutschland verschenkt Billionen

Übergewicht kostet: Der deutsche Staat wird bis zum Lebensende der heute übergewichtigen Kinder und Jugendlichen schätzungsweise 1,8 Billionen Euro... [mehr]

Fernsehen schadet dem Schlaf von Kindern

Kinder, die elektronische Medien nutzen, haben eine schlechtere Schlafqualität. Gleichzeitig scheint das Vorlesen oder Anschauen von Büchern den... [mehr]

Jena Experiment: Artenverlust zerstört Ökosysteme

Wie schwer wiegt der globale Artenverlust? Sind Stoffkreisläufe in einem Ökosystem mit wenig Arten verändert? Um dies zu klären, wurde 2002 das »Jena... [mehr]

Treffer 1 bis 10 von 236

1

2

3

4

5

6

7

Nächste >

Folgen