Globuli-Gegner

April 2017

Homöopathie zu Unrecht für unwirksam erklärt?

Die Australische Gesellschaft für Homöopathie (Australian Homeopathic Association, AHA) hat in Zusammenarbeit mit dem Londoner Homeopathy Research Institute (HRI) ein massives Fehlverhalten einer australischen Regierungskommission (Australian National Health and Medical Research Council, NHMRC) aufgedeckt. Der NHMRC hatte 2015 einen Bericht über die Wirksamkeit der Homöopathie vorgelegt, der gegenwärtig auch in Deutschland immer wieder als Referenz für die angebliche Unwirksamkeit von Homöopathie angeführt wird.

Rachel Roberts, die Direktorin des HRI in London, sagt: »Der NHMRC-Bericht ist einfach nur schlechte Wissenschaft. Entscheider in Politik und Wissenschaft verlassen sich auf diese Art von Berichten und sind darauf angewiesen, dass sie deren Qualität vertrauen können. Es geht nicht um irgendeine persönliche Meinung dazu, ob Homöopathie wirkt oder nicht. Es geht darum, dass über wissenschaftliche Ergebnisse objektiv berichtet wird, was immer sie aussagen. Das NHMRC hat hier versagt.«

Im Folgenden die (gekürzte) Stellungnahme des HRI in einer Übersetzung aus dem Englischen:

Zu den Fakten

In einer aufwendigen und detaillierten Untersuchung des AHA über das Verhalten des NHMRC sowie einer vertieften wissenschaftlichen Analyse des NHMRC-Berichtes durch das HRI zeigen sich ernsthafte Verfahrensfehler und wissenschaftliches Fehlverhalten in der Aufstellung des Berichtes. Im Einzelnen:

  • Der NHMRC hat seine Übersichtsarbeit zweimal angefertigt. Ein erster Bericht wurde verworfen, obwohl er durch einen angesehenen Wissenschaftler erstellt wurde, der selbst einer der Autoren der NHMRC-Leitlinien ist. Diese Leitlinien legen fest, wie Übersichten im Einzelnen anzufertigen sind.
  • Die Existenz des ersten Berichtes wurde der Öffentlichkeit nie mitgeteilt, sondern erst durch eine Anfrage des AHA entsprechend dem australischen Informationsfreiheitsgesetz aufgedeckt.
  • Der NHMRC gibt an, die Ergebnisse beruhten auf der eingehenden Analyse von über 1800 Studien. In Wirklichkeit basierten die Ergebnisse nur auf 176 Studien.
  • Der NHMRC bediente sich einer Methode, die bisher noch nie für Übersichtsarbeiten angewandt wurde. Sie besagt, dass eine Studie mindestens 150 Teilnehmer aufweisen und ungewöhnlich hohen Qualitätsanforderungen standhalten muss, um in die Analyse eingeschlossen werden zu können. Und dies, obwohl das NHMRC selbst üblicherweise Studien mit weniger als 150 Teilnehmern auflegt.
  • Diese unüblichen und künstlich geschaffenen Regeln bewirkten, dass die Ergebnisse von 171 Studien komplett unberücksichtigt blieben, weil diese Studien angeblich nicht verlässlich sind. Am Ende blieben 5 Studien übrig, die als methodisch korrekt und verlässlich klassifiziert wurden. Das dürfte erklären, warum man zu dem Ergebnis kam, dass angeblich keine verlässlich positiven Ergebnisse festzustellen gewesen seien.
  • Professor Peter Brooks, Vorsitzender des Komitees, das die NHMRC-Übersichtsarbeit 2015 vorlegte, hatte es anfangs versäumt mitzuteilen, dass er Mitglied des Anti-Homöopathie-Lobby-Vereins »Freunde der Wissenschaft in der Medizin« ist (Friends of Science in Medicine).
  • In Verletzung der NHMRC-eigenen Regeln befand sich kein einziger Experte für Homöopathie unter den Untersuchern.

Das HRI ist nicht allein mit seinen Zweifeln an der Korrektheit des NHMRC-Berichtes. Bereits vor dessen Veröffentlichung hatten zwei unabhängige Experten Zweifel an den Schlussfolgerungen des Berichtes geäußert. Das Australische Cochrane Centre kommentierte, es sei nicht korrekt, als Beweis für die Wirkungslosigkeit der Homöopathie »keine zuverlässige Evidenz« zu definieren.

Ein weiterer Experte hielt die Schlussfolgerungen des NHMRC-Berichtes für zweifelhaft. Das NHMRC hingegen ließ sich durch diese Einschätzungen nicht daran hindern, an den Ergebnissen des Berichtes festzuhalten. (...)

Beschwerde beim Commonwealth-Ombudsmann eingereicht

Die AHA drängt auf eine vollständige Rücknahme des NHMRC-Berichtes. Gemeinsam mit Complementary Medicines Australia und der Australian Traditional Medicine Society reichte sie im August 2016 eine Beschwerde beim zuständigen Commenwealth-Ombudsmann ein.

Solange die Beschwerde bearbeitet wird, kann die vollständige Version von 60 Seiten noch nicht veröffentlicht werden, aber die Daten des HRI weisen schon in der Zusammenfassung wissenschaftliche Fehler des NHMRC auf, die eine Rücknahme des Berichtes erforderlich machen:

  • Es wurde eine inadäquate wissenschaftliche Methode angewandt, und keine standardisierten und wissenschaftlich akzeptierten Verfahren. Das wirkt sich auf die Ergebnisse der Übersichtsarbeit aus.
  • Somit fehlen ausreichend korrekte Daten, mit denen eine Übersichtsarbeit üblicherweise erstellt wird.
  • Es gab keine öffentliche Vorab-Konsultation.
  • Das Forschungsprotokoll wurde nach Beginn der Untersuchung in maßgeblichen Teilen verändert.
  • Es bestehen Anhaltspunkte für Voreingenommenheit und falsche Berichterstattung sowie Inkonsistenzen und Irrtümer.
  • Es gibt Hinweise für eine vorsätzliche Beeinflussung der Ergebnisse.

Dr. Alex Tournier, Vorstand des HRI, erklärt: »Der NHMRC-Bericht ist so massiv fehlerhaft, dass wir uns entschlossen haben, mit der AHA zusammen eine intensive Untersuchung einzuleiten, um aufzudecken, was genau geschehen ist.«

Die Beschwerdeführer warten nun auf einen Bescheid des Ombudsmannes. Der fehlerhafte NHMRC-Bericht hat die Wahrnehmung der Homöopathie weltweit maßgeblich beeinflusst. Daher wird das HRI alle Nachrichten über die Auswirkungen der Beschwerde engmaschig weiterleiten.

Rachel Roberts, Direktorin des HRI in London, konstatiert: »Die Öffentlichkeit hat jetzt das Recht, alles über die hohe Qualität von Studien zu erfahren, die zeigen, dass Homöopathie bei einigen Indikationen wie Heuschnupfen, Nebenhöhlenentzündung und Durchfall bei Kindern wirkt – Informationen, die beim Missbrauch wissenschaftlicher Ergebnisse durch den NHMRC verloren gingen. Wenn die Datenlage und die Evidenz von konventioneller Medizin auf eine ähnliche Weise untersucht und beurteilt worden wäre, dann hätte es wohl einen lauten Aufschrei gegeben – und das mit Recht! Der NHMRC hatte die Aufgabe, die wissenschaftliche Datenlage für die Homöopathie korrekt zusammenzufassen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Dieser Aufgabe ist der NHMRC nicht nachgekommen.«

Mehr dazu:

Zusammenfassung der Beschwerde an den Commonwealth-Ombudsmann bezüglich des Homöopathie Bewertungsberichts vom Nationalen Gesundheits- und medizinischen Forschungsrat (NHMRC), (englische Originalversion) 

Detaillierter Bericht über die Analyse des australischen Reports vom Homeopathy Research Institute (HRI)

Quelle: gesundheit-aktiv.de

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass bei der Aktivierung des Players Daten an den Anbieter YouTube übermittelt werden.

Alle Nachrichten in dieser Kategorie

Integrative Medizin ist die Medizin der Zukunft

Am 11. Juni ging in Stuttgart der internationale Kongress für Integrative Gesundheit & Medizin mit mehr als 600 Teilnehmern aus 46 Ländern zu Ende.... [mehr]

Integrative Medizin in der Onkologie

In der Onkologie haben wirksame integrativmedizinische Konzepte bereits Eingang in die konventionelle Versorgung gefunden. Das zeigen Vorträge auf... [mehr]

Bayern anerkennt Waldorfmaster der Alanus Hochschule

Ende März teilte das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst mit, dass es den Master Abschluss Pädadogik der... [mehr]

Neues Fachstudium für Sportlehrer an Waldorfschulen

Am 19. September 2016 öffnet ein neuer Studiengang in Basel seine Tore. Die Akademie für Bewegung und Bildung (AkBB) kooperiert mit der Freien... [mehr]

BVerfG gibt dem Verband der privaten Hochschulen Recht

Als Meilenstein für die Hochschul- und Wissenschaftsfreiheit und für die künftige Entwicklung privater Hochschulen in Deutschland hat der VPH den... [mehr]

Antibiotika und kindliche Darmflora

Dass Antibiotika die kindliche Darmflora beeinträchtigen können, wird schon länger wissenschaftlich diskutiert.  [mehr]

Ehemaliger Waldorfschüler erhält nach Nobelpreis nun auch Bundesverdienstkreuz

Der derzeit berühmteste ehemalige Waldorfschüler, Nobelpreisträger Prof. Dr. med. Thomas C. Südhof, darf sich ab sofort das Große Verdienstkreuz mit... [mehr]

ikids-Studie: Wer macht mit?

Die Studie zur Kinder-Gesundheitsentwicklung ab Einschulung, die das IPSUM-Institut in den letzten Jahren deutschlandweit durchführte, hat wertvolle... [mehr]

Forschungsstelle Eurythmie gegründet

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Reformansätze in den Bewegungskünsten gesucht, etwa im Ausdruckstanz oder in der von Rudolf Steiner... [mehr]

Die Akademisierung der Frühpädagogik. Eine Zehnjahresbilanz

Im deutschen Bildungssystem treffen Heranwachsende auf umso geringer qualifiziertes pädagogisches Personal, je jünger sie sind. Auf diese Situation... [mehr]

Treffer 51 bis 60 von 247

< Vorherige

1

2

3

4

5

6

7

Nächste >

Folgen