Integrative Medizin in der Onkologie

Juni 2016

In der Onkologie haben wirksame integrativmedizinische Konzepte bereits Eingang in die konventionelle Versorgung gefunden. Das zeigen Vorträge auf dem Internationalen Kongress für Integrative Medizin und Gesundheit in Stuttgart.

»Integrativmedizin ersetzt nicht eine konventionelle Krebstherapie, sie ergänzt sie und unterstützt den Patienten bei einer konventionellen Behandlung. Eine seriöse Integrativmedizin wird nie Heilsversprechungen machen«, sagt Dr. Gunver Sophia Kienle vom Zentrum für Naturheilkunde der Universität Freiburg und leitende Wissenschaftlerin am Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie e.V., Freiburg, einem An-Institut der Universität Witten/ Herdecke.

Etwa die Hälfte aller Krebspatienten in Nordamerika und Europa wenden komplementär-medizinische Behandlungen ergänzend zur konventionellen Krebstherapie an. Sie erhoffen sich damit vor allem eine bessere physische und emotionale Verfassung, eine Stärkung ihrer Abwehr gegen den Krebs und eine bessere Verträglichkeit der konventionellen Krebstherapien. Auch eine wachsende Zahl von Studien bestätigt, dass Krebspatienten trotz guter konventioneller Krebstherapie unter einer Reihe von sogenannten »unmet needs« leidet. Dazu gehören etwa emotionale Not, Kontroll-, Appetit- und Energieverlust, Erschöpfung, Müdigkeit, Schlafprobleme, Ängste.

Dass die Hoffnung der Patienten begründet ist, dass sie von integrativen Konzepten profitieren, belegen viele Studien. So präsentiert Dr. Heather Greenlee aus New York auf dem Kongress in Stuttgart eine US-amerikanische evidenzbasierte Leitlinie zum Thema komplementäre Verfahren im Rahmen integrativer Therapien in der Brustkrebsbehandlung, die modernen Standards entspricht. Empfohlen wird darin der routinemäßige Einsatz von Meditation, Yoga und bestimmten Entspannungsverfahren. Stressmanagement, Massage, Musiktherapie und Maßnahmen zur Energiegewinnung, Yoga und Meditation werden empfohlen, um Stress, Ängste, Depression und Fatigue zu bekämpfen und die Lebensqualität der betroffenen Frauen zu verbessern. Die Leitlinie betont aber auch, dass bei vielen Interventionen noch keine Beurteilung möglich ist, da entsprechende Studien fehlen.

»Wird den Patienten durch den Einsatz komplementärer Verfahren geholfen, so wirkt sich das auf die Lebensqualität, auf die Therapietreue bei der Krebstherapie und auch auf das Überleben aus«, sagt Kienle. Eine kürzlich publizierte große randomisierte klinische Studie zur Misteltherapie des fortgeschrittenen, nicht operablen Bauchspeicheldrüsenkrebses zeigte, dass die Patienten unter Misteltherapie länger leben und eine bessere Lebensqualität haben. Diese Studie wird auf dem Kongress in Stuttgart mit einem Preis prämiert. Nicht zuletzt haben eine Reihe integrativmedizinischer Verfahren Eingang in die konventionelle Versorgung von Krebspatienten gefunden und eine wachsende Zahl großer akademischer Zentren und Top-Universitäten verfügen über Zentren für integrativmedizinische Behandlungen eingerichtet, etwa das Dana Farber Cancer Center der Harvard Universität.

Der Kongress findet in Stuttgart statt und dauert bis zum 11. Juni.

icihm.org/de

Alle Nachrichten in dieser Kategorie

Ehemaliger Waldorfschüler erhält nach Nobelpreis nun auch Bundesverdienstkreuz

Der derzeit berühmteste ehemalige Waldorfschüler, Nobelpreisträger Prof. Dr. med. Thomas C. Südhof, darf sich ab sofort das Große Verdienstkreuz mit... [mehr]

ikids-Studie: Wer macht mit?

Die Studie zur Kinder-Gesundheitsentwicklung ab Einschulung, die das IPSUM-Institut in den letzten Jahren deutschlandweit durchführte, hat wertvolle... [mehr]

Forschungsstelle Eurythmie gegründet

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Reformansätze in den Bewegungskünsten gesucht, etwa im Ausdruckstanz oder in der von Rudolf Steiner... [mehr]

Die Akademisierung der Frühpädagogik. Eine Zehnjahresbilanz

Im deutschen Bildungssystem treffen Heranwachsende auf umso geringer qualifiziertes pädagogisches Personal, je jünger sie sind. Auf diese Situation... [mehr]

Immer mehr Kinder erkranken an Diabetes mellitus Typ 1

360 zuckerkranke Kinder – vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen – werden gegenwärtig in der Kinderklinik am Universitätsklinikum Leipzig betreut.... [mehr]

Bertelsmann-Studie: Kinder und Jugendliche sind Verlierer der Krise

Die Bertelsmann Stiftung untersucht jährlich die Entwicklung der Teilhabechancen in allen 28 EU-Mitgliedstaaten. Trotz wirtschaftlicher Erholung: Die... [mehr]

Graduiertenkolleg Waldorfpädagogik an der Alanus Hochschule

Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn hat gemeinsam mit der Software AG – Stiftung und der Pädagogischen... [mehr]

Anthroposophie und Hochschule

Welchen Stellenwert die Anthroposophie für akademische Bildung an einer Hochschule haben kann, diskutierten Wissenschaftler aus Deutschland und der... [mehr]

Machen Hochspannungsleitungen krank?

Hochspannungsleitungen wirken sich auf den Hormonspiegel aus – allerdings jahreszeitlich schwankend. Ein internationales Team unter der Leitung von... [mehr]

Anthroposophische Medizin schneidet gut ab

Erneut gute Ergebnisse für die Anthroposophische Medizin: Zur großen Beobachtungsstudie »AMOS« (Anthroposophic Medicine Outcomes Study) von 2004... [mehr]

Treffer 51 bis 60 von 241

< Vorherige

1

2

3

4

5

6

7

Nächste >

Folgen